Ich möchte Ihnen kurz meine Familie vorstellen,…

„… damit Sie wissen, mit wem Sie es auf den nächsten Seiten zu tun bekommen. Meinen Vater Christos und meine Mutter Chrissoula, die seit ihrer Geburt am Fuße des Olymps schlicht und einfach Chrissi genannt wird. Ihren Nachnamen verwendet sie am liebsten in der dritten Person. Deshalb ist die Anrede für alle, die ihre Aufmerksamkeit erregen möchten, gleich, egal ob Briefträger oder Bundespräsident:
Hallo, Chrissi – wie geht es?

Reiseliteratur ist heute gefragt, etwas leichtes, kurzweiliges, das mir als Hörbuch die Fahrt nach Münster versüsst und dass ich als Ebook zu Ende lesen kann.
Und so fiel meine Wahl eher zufällig auf ein Buch von Linda Zervakis, das meine Liebste schon vor einiger Zeit begeistert verschlungen hat und das seitdem auch auf meiner Leseliste steht:

Königin der bunten Tüte
– Geschichten aus dem Kiosk –

Der Klappentext:

„So, wie Linda Zervakis heute in die Wohnzimmer der Nation guckt, hat sie früher aus dem Kiosk ihrer Eltern in Hamburg-Harburg geschaut, in dem sie bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr jeden Sonntag stand. Was sie da gesehen hat? Migranten, Arbeitslose und «Leute, die zum Frühstück Kräuterschnaps bestellen». Und natürlich: gute, herzliche Typen, die sich umeinander kümmern und ihre Reval ohne, Feuertöpfe und bunte Tüten seit zwanzig Jahren bei der Familie Zervakis kaufen. Kioskromantik.

Die Familie Zervakis hatte nicht viel Geld, Linda teilte sich mit ihren beiden Brüdern ein Zimmer, ihre Eltern arbeiteten fünfzehn Stunden am Tag, und der Kiosk war ein Ort, den Sozialhysteriker heute als Brennpunkt bezeichnen würden. Aber Linda hatte Glück, eine gute Schule, eine deutsche Tagesmutter und den festen Willen, nicht für immer aus dem Büdchen zu schauen. Der Rest ist ihre Geschichte: charmant, lustig, traurig und immer aus dem wirklich wahren Leben.“

Es verspricht also, sehr unterhaltsam zu werden, und ich bin durchaus auch gespannt auf das Hörbuch, das von der Autorin selbst gelesen wird.

Der Hörbuch-Link: Spotify

Und ab durch die Mitte —————->


 

Mein Fazit:

Das Buch hat mir richtig gut gefallen, allerdings habe ich keine einzige Seite gelesen, sondern es komplett als Hörbuch gehört. Da dieses aber nicht gekürzt ist, sollte da kein Unterschied bestehen.
Es sind halt schöne Geschichten aus dem Leben in der Hamburger Vorstadt, die Linda Zervakis da beschreibt.

„Aida fuhr an diesem Tag besonders unsicher, …..

…..sie hielt zwar das Gleichgewicht auf dem Fahrrad, aber sie schaute dauernd auf den Lenker, und ihr Vorderrad malte eine Schlangenlinie auf den Boden. Karim ermahnte sie: »Nach vorne schauen, vergiss den Lenker, er folgt sklavisch deinem Blick«, aber ihre Augen richteten sich wie hypnotisiert auf den glänzenden Bügel zwischen ihren Händen.“

Nach einem Buch über die Suche nach Liebe klappe ich nun ein neues Buch auf, das sich auch um Liebe dreht, wenn auch auf ganz andere Art und Weise:

Sophia oder Der Anfang aller Geschichten

„Als Mädchen war Sophia heftig in Karim verliebt, dennoch heiratete sie einen reichen Goldschmied. Als Karim jedoch unschuldig unter Mordverdacht geriet, rettete sie ihm das Leben. Wann immer sie ihn brauche, verspricht er, wird er ihr helfen, auch unter Lebensgefahr. Viele Jahre später kehrt Sophias einziger Sohn Salman aus dem Exil in Italien nach Damaskus zurück. Plötzlich entdeckt er sein Fahndungsfoto in der Zeitung und muss untertauchen. Jetzt erinnert sich Sophia an das Versprechen Karims, der im Alter eine neue Liebe gefunden hat. In seinem neuen Roman erzählt Rafik Schami von der Macht der Liebe, die Mut und Tapferkeit gibt, die verjüngt und die Leben retten kann.“
(Klappentext, Hanser)

Eine Premiere, weil ich noch nichts von Rafik Schami gelesen habe, und gestern ganz fasziniert von der Geschichte war, als ich auf der Suche nach einem Hörbuch für meine Fahrt morgen ins erste Kapitel hinein gehört habe.
Also hab ich mir das passende E-Book auch gleich besorgt und gestern Abend im Bett angefangen zu lesen, staunend über die Erzählkunst des Autors, die die Geschichte im besten Sinne „fliessen“ lässt.
Das Hörbuch dazu (Spotify – gelesen von Markus Hoffmann)ist zwar leicht gekürzt, aber das tut dem Genuss keinen Abbruch, wie ich gerade bei meiner Hausarbeit schon festgestellt habe. Das Flair des Buches kommt trotzdem sehr gut rüber und deshalb wird es morgen sicher eine sehr kurzweilige Fahrt werden 🙂

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Mein Fazit:

Ein wirklich shönes Buch, dass  genau so faszinierend geendet hat, wie es schon am Anfang wirkte. Wunderbar und liebevoll erzählt,mit einem schönen Spannungsbogen und einigen unerwartetetn Wendungen, hat es mir beim Lesenviel Spass gemacht.
Deshalb ist auch das nächste Buch auf meinem Reader wieder von Rafik Schami.

Zugehört

Seit meiner letzten Fahrt nach Münster bin ich etwas angefixt.

Denn es war ausgesprochen angenehm, mir unterwegs – statt Musik zu hören – einfach mal was vorlesen zu lassen.
Insbesondere auch, weil die Bücher, die ich gerade auf dem Ebook-Reader in der Mache hatte, gleichzeitig als Hörbuch  auf meinem LIeblings-Streaming-Portal verfügbar waren und ich so die angefangene Geschichte einfach weiter lesen – bzw. hören konnte.Allerdings, und das war der kleine Nachteil, war ich zumindest auf der Hinfahrt so gefesselt von dem Buch, dass ich meine elektrischen Beifahrerin nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt habe und so in Bremen doch etwas vom Weg abgekommen bin. Was zeigt, wie gut das doch mit dem Vorgelesen bekommen funktioniert.
So gut, dass ich mir für übermorgen auch schon was passendes herausgesucht habe, dass es sowohl in Hör- als auch in Lesefassung gibt.
Aber dazu mehr, wenn es soweit ist.

Natürlich habe ich auch probiert, wie ich den Hörbücher im täglichen Leben nutzen könnte, wenn ich nicht stundenlang im Auto unterwegs bin.
Aber da funktioniert das leider nicht so gut:

Auf den kurzen Wegen zur, bei und von der Arbeit reicht die Zeit einfach nicht aus, um wenigstens so viel zu hören, dass man in der Geschichte ankommen kann – und zum Einschlafen taugt das auch nicht wirklich, denn entweder schnarche ich schon, bevor das Kapitel zu Ende ist, oder umgekehrt, das Kapitel ist zu kurz, und es reicht nicht, um dabei weg zu dösen, ohne den „weiter Knopf“ zu betätigen….

Wo es allerdings richtig gut ist – und sehr zu empfehlen – ist bei jeglicher Art von Hausarbeit, für die man den Kopf nicht braucht. Gerade kurze und kurzweilige  Hörbücher sind da eine gute Alternative zur Musik – ähnlich wie Hörspiele 🙂

Womit nun beschlossen ist, dass ich mir in Zukunft öfter mal was vorlesen lasse, gelegentlich sicher auch mal Texte, die ich nicht als Buch daneben legen muss.
Und dafür wird es hier auch eine eigene Rubrik geben, damit ich meine Erfahrungen und Eindrücke teilen kann:
Klickst Du hier

„Ganz in der Nähe der Zeißstraße …

…. befindet sich eine aufgegebene Schokoladenfabrik. Am 2.11.1971 gegen 14 Uhr harkt dort im Hof der Hausmeister Herr Engel vor einem leeren Holzfass Laub. In einer Ecke stehen, Platte auf Platte, zwei Tische übereinander. Bei den Tischen lagern mehrere Pappkartons, ohne Inhalt und teilweise verrottet. Unter den Kartons kommt, zwischen Laub und lockerer Erde, ein Kopf zum Vorschein. Nachdem Engel noch eine Hand ausmacht, ruft er die Polizei.“

Und wieder geht es um einen Mörder, ganz wie in dem Buch, dass ich zuletzt gelesen habe, wenn auch dieses mal nicht um eine fiktive, sondern um eine reale Person, Fritz Honka seinerzeit von der Presse als „Blaubart von Altona“ tituliert.
Begonnen habe ich das Buch „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk wieder als Hörbuch -vom Autor selbst gelesen – , diesmal auf der Rückfahrt von Münster, und war sehr angetan von der Art,  wie Strunk die Gäste des „Goldenen Handschuhs“ beschreibt und dann zu seiner Hauptfigur „Fiete“ kommt. Gut dazu passt die derbe Sprache, die er dabei verwendet – und die auch gelesen durchaus passend erscheint.

Und so lernt man im Lauf der Geschichte Fiete sehr gut kennen, mit seinen Wünschen, seinen Träumen und in seiner Abhängigkeit vom Wunsch nach Zuwendung und Liebe und auch vom Alkohol.
Teils sehr distanziert, teils mit viel Empathie wird er hier beschrieben und eine Entwicklung nachgezeichnet, die ihn schlussendlich zum Mörder werden lässt:

„Strunks Roman taucht tief ein in die infernalische Nachtwelt von Kiez, Kneipe, Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose Leben alles Menschliche zu rauben droht. Mit erzählerischem Furor, historischer Genauigkeit und ungeheurem Mitgefühl zeichnet er das Bild einer Welt, in der nicht nur der Täter gerichtsnotorisch war, sondern auch alle seine unglücklichen Opfer. Immer wieder unternimmt der Roman indes Ausflüge in die oberen Etagen der Gesellschaft, zu den Angehörigen einer hanseatischen Reederdynastie mit Sitz in den Elbvororten, wo das Geld wohnt, die Menschlichkeit aber auch nicht unbedingt. Am Ende treffen sich Arm und Reich in der Vierundzwanzigstundenkaschemme am Hamburger Berg, zwischen Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen: Menschen allesamt, bis zur letzten Stunde geschlagen mit dem Wunsch nach Glück.“

Der Klappentext ist also durchaus zutreffend, und auch dieses mal werde ich sicher nicht lange brauchen, bis ich das Buch zu Ende gelesen habe.


Mein Fazit:

Auf seine Art ist diese Buch sehr faszinierend. Besonderen Anteil daran hat die Sprache, die recht Kiez-typisch ist in ihrer Derbheit und Direktheit.
Spannend auch die Entwicklung, die Fiete durchmacht, seine Machtphantasien und seine Misserfolge, die in zu dem werden lassen, was er am Ende ist.

„Einmal ausgesprochen und gehört….

….lässt nichts mehr sich zurücknehmen,
nie wieder, kein Wunsch, kein Fluch,
kein Gebet.“

Dieses mal also ein Krimi als Wochenendlektüre. Von einem Autor, von dem ich noch nichts gelesen habe:Thomas Raab.
Und gleichzeitig auch ein Experiment, denn ich habe mir das gleiche  Buch auch als Hörbuch aufs Handy geladen, um es unterwegs hören zu können. Spotify sei Dank.
Da gibt es zwar nur eine gekürzte Fassung, aber trotzdem willl ich das mal ausprobieren, ob das funktioniert, ein Buch gleichzeitig zu lesen und zwischendurch weiter zu hören.

Still – Chronik eines Mörders

Spannung verspricht das allemal, wenn der Klappentext nur halbwegs zutrifft:

„Nur eines verschafft Karl Heidemann Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms dieser Welt: die Stille des Todes. Blutig ist die Spur, die er in seinem Heimatdorf hinterlässt. Durch sein unfassbar sensibles Gehör hat er gelernt, sich lautlos wie ein Raubtier seinen Opfern zu nähern, nach Belieben das Geschenk des Todes zu bringen. Und doch findet er nie, wonach er sich sehnt: Liebe. Bis er auf einen Schatz stößt. Ein Schatz aus Fleisch und Blut. Ein Schatz, der alles ändert.

Auch die üblichen Rezensionen sind voll des Lobes, so dass ich mit dem Buch wohl nicht viel falsch machen kann – Perlentaucher zum Beispiel.

Ich bin gespannt und werde wohl sehr bald berichten, wenn das mit dem Hören so gut klappt wie mit dem Lesen

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Mein Fazit:

Sehr empfehlenswert, sowohl in der Hörfassung als auch als Buch!

Nachdem ich auf der Hinfahrt nach Münster ungefähr 2/3 gehört hatte, habe ich den Rest dort fast am Stück zu Ende gelesen.
Fesselnd, spannen, mit unerwarteten Wendungen und in einer liebevollen Sprache erzählt, ist dieses Buch bei aller Grausamkeit des Themas doch ein Lehrstück darüber, wei sich eigentlich gut gemeinte Taten ins Gegenteil entwickeln können – oder andersrum Böses ins Gute verwandelt.

Übrig bleibt das Bild eines Protagonisten, der auch als Mörder sehr menschliche Züge hat und sich schlussendlich selbst opfert, weil er liebt.