So war das gedacht :-)

Bastelstunde beendet und die letzten Schrauben fest gedreht – und nebenher noch die Seitenleiste umgebaut: So bleibt das jetzt 🙂
Und nebenher hab ich auch gleich noch ein Plätzchen gefunden, wo ich gelegentlich mal Zitate platzieren kann, die mir vor die Füsse fallen…
Den Anfang macht ein Klassiker, der demnächst wohl mal wieder auf meine Leseliste kommt:
Zeit genug habe ich jetzt ja…..

Teestündchen

Gerade eben, bei meiner letzten Kundin, hatte ich ein Erlebnis wie noch nie in meinem langen Arbeitsleben.
Ich hatte zwar schon oft davon gehört, dass alte Menschen in ihrer Einsamkeit sich virtuelle Gesprächspartner suchen, um das Alleinesein zu überbrücken- aber in der  Realität habe ich das so noch nicht erlebt – jedenfalls nicht so ritaulisert und nicht im Zusammenhang mit Menschen, die nicht dement sind:

Bei dieser letzten Kundin, Frau M., haben wir täglich einen Einsatz, um ihre Medikamente für den nächsten Tag zu stellen. Und genau deswegen war ich heute auch dort.

Nun weiß ich, dass Frau M. keine Angehörigen mehr hat und war deshalb auch etwas verwundert, als ich, in der Küche sitzend und über die Medikamentenbox gebeugt hörte, wie sie sich im Schlafzimmer angeregt unterhielt, so wie andere Leute das am Telefon tun.

Wer Ihr Gesprächspartner war, wurde mir dann aber erst klar, als ich mich von ihr verabschieden wollte:

Da sass sie nämlich im Schlafzimmer auf dem Bett bei Kerzenschein und einem Tee, Vis-a-Vis  mit ihrem großen Spiegel und unterhielt sich angeregt mit ihrem Spiegelbild.

Als sie bemerkte dass ich in der Tür stand und dieses Bild beobachtete, meinte sie zu mir:

„Sie glauben jetzt sicher ich spinne und führe hier Selbstgespräche. Aber das ist nicht so! Ich mache jeden Tage Teestunde mit meiner besten Freundin.
Die ist zwar schon lange tot, aber das macht ja nichts.
Trotzdem kann ich mit ihr reden. Und damit ich mich dabei nicht so einsam fühle, setze ich mich auch manchmal mit meinem Tee hier vor den Spiegel.“

Nein, ich halte sie nicht für einen Spinnerin, kenne ich sie doch sonst als eine Frau, die trotz ihr Einschränkungen durch ihre Gicht „mit beiden Beinen im realen Leben steht.“
Deshalb  habe  ich ihr da nur zustimmen können, denn ist es doch  ganz legitim, sich mit Menschen zu unterhalten, die einem nahe stehen.  Dabei ist es auch egal, ob diese Menschen im selben Raum sind –  das kann man genau so  gut  auch per Telefon oder eben in Gedanken tun.

Und dann habe ich mich von ihr verabschiedet und ihr ein schönes Wochenende gewünscht.

Etwas verwundert und zum Schmunzeln angeregt hat mich anschliessend  aber doch, was ich noch mitbekommen habe, als ich die Wohnungstür zuziehen wollte:
Da hat Frau M. nämlich ihrer Freundin erzählt, was ich doch für ein netter und verständnisvoller Kerl wäre und das ist ja schön sei, dass ich sie nicht für eine Spinnerin halten würde.

Trotzdem gibt mir dieses Erlebnis zu denken.

Frau M. ist nämlich eine Frau, die sehr gerne Kontakt zu Menschen hat und  sicher stark unter ihrer Einsamkeit leidet, ohne dass sie das jemals zugeben würde….
Trotzdem lehnt  sie es ab, beispielsweise in eine Tagesstätte zu gehen, um damit etwas gegen ihr Alleinesein zu tun. Dazu sagte sie mir mal, dass es ihr ja nichts bringen würde, unter lauter fremden Menschen zu sein.
Und bisher habe ich auch immer geglaubt, dass ihr die Einsamkeit nicht viel ausmacht und sie gut damit zurecht kommt, ihre Wohnung nicht mehr verlassen zu können….

Später, im Auto, kam mir dann der Gedanke, wie es mir wohl gehen würde, wenn ich so leben würde wie sie – Ohne Angehörige und ohne Kontakt zu Menschen, die ich gerne habe.

Ganz ehrlich:
Ich kann mir das nicht vorstellen und ich möchte mir das auch gerade nicht vorstellen.

Alltagsrassismus

Während die Kackblaue „Partei“ nun neuesten Umfragen zufolge – und leider dank der erfolgreichen Hilfe unsers Heimatministers  – weiter auf dem Weg zur zweitstärksten Kraft in unserem Land ist, hatte ich gestern auch in meinem sonst politisch eher ruhigen Arbeitsumfeld ein unschönes Erlebnis, was genau in diese Problematik passt.

Naturgemäss bleibt es bei meiner Tätigkeit  ja nicht aus, dass man gelegentlich auch mal rechtem Gedankengut begegnet, wenn auch die Generation inzwischen so gut wie ausgestorben ist, die Hitler vor 85 Jahren gewählt hat  – und auch die Generation der Verblendeten mittlerweile immer mehr verschwindet , die als Kinder und Jugendliche in der HJ und beim BDM politisch indoktriniert wurden….
Dafür rücken jetzt vermehrt Menschen nach, die sich die kackblauen Parolen zu eigen machen und so als „neue Nazis“ mehr oder weniger subtil ihren Alltagsrassismus pflegen und propagieren, meist versteckt in Nebensätzen während unserer Gespräche bei meinen Pflegeeinsätzen, manchmal aber auch offen und sehr deutlich ihre Einstellung zeigend.
Normalerweise „überhöre“ ich das und reagiere nicht darauf, denn bei aller persönlichen Intoleranz diesen Parolen gegenüber ist doch die politische Einstellung meiner Kunden ihre Privatsache und sollte mich in meiner Arbeit nicht beeinflussen.  Diskussionen darüber bringen nichts, an den Überzeugungen dieser Leute werde ich nichts ändern können…
Aber manchmal, ganz selten, sehe auch ich mich gezwungen zu reagieren:

So wie gestern, als ich mit einer 19-Jährigen Pflegeschülerin unterwegs war, deren Eltern vor zwanzig Jahren aus Indien kommend nach Hamburg übersiedelt und seit langem hier eingebürgert sind.
R., die Schülerin möchte Altenpflegerin werden, arbeitet seit einem Jahr in einem Altenheim und hatte gestern ihren ersten Praktikumstag bei uns, um auch die ambulante Pflege kennen zu lernen. Dummerweise musste sie gleich in einem der ersten  Einsätze eine sehr unerfreuliche Erfahrung machen.
Da hatten wir Herrn L. auf dem Plan, einen Mann in meinem Alter, nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und in seiner Unzufriedenheit mit dieser Situation ohnehin ein „rechtes“ (im doppelten Sinn des Wortes) Ekelpaket. Herr L. kann aufgrund seiner Krankheit das Bett nicht mehr alleine verlassen und benötigt morgens Hilfe beim Aufśtehen, beim Toilettengang, Waschen und Anziehen, immer begleitet mit viel Gemecker und wenig freundlichem Umgangston.
So hatte ich auch erwartet, dass dieser Einsatz – wie üblich – nicht einfach sein würde, aber meine schlechten Erwartungen wurden mehr als übertroffen, als er der Schülerin und ihrer dunklen Haut angesichtig wurde. Da flippte er förmlich aus, beschimpfte R. in übelster Weise und verlangte, dass sie sofort seine Wohnung verlasse.
Er würde das nicht dulden, dass dieses „Pack“ nun auch noch in seiner Wohnung auftauche, das „uns hier die Arbeitsplätze  und die Wohnungen wegnimmt und sich überall breit macht“ und mit „Negerhuren“ wolle er schon gar nichts zu tun haben. Ich könne ihn ja auch alleine versorgen, und er würde nicht verstehen, wie ich mich mit solchem „Kroppzeug“ abgeben könne….

Klar, dass ich das nicht so stehen lassen konnte, schon alleine, weil ich es der Schülerin nicht antun mochte, nach so einer üblen Beschimpfung ganz alleine im Auto zu warten.
Also habe ich den Pflegeeinsatz sofort abgebrochen und mit ihr den Ort des unerfreulichen Geschehens verlassen, nicht ohne Herrn L. noch die Frage an den Kopf zu werfen, welchen Arbeitsplatz ihm denn noch jemand wegnehmen könne, wo er doch nicht mal in der Lage wäre, sich alleine den Hintern abzuwischen. Zudem sei seine volle Hose ja nicht lebensbedrohlich und vielleicht gäbe ihm diese Erfahrung mal die Gelegenheit, über sein eigenes Verhalten nachzudenken….

Was folgte, war ein längeres Gepräch mit der völlig aufgelösten R. im Auto, bei dem ich sie wieder beruhigen und auch überzeugen konnte, die Tour mit mir zusammen weiter zu fahren, um so auch eine Reihe sehr netter und umgänglicher Kunden kennenzulernen, die sie diese Szene ein wenig vergessen lassen könnten.

Was auch noch folgte, war ein telefonischer Disput mit meiner Pflegedienstleitung –  bei der sich L. natürlich umgehend  beschwert hatte, weil wir ihn hatten in seiner Sch….. liegen lassen – ,  der in der Aufforderung gipfelte, ich solle nochmal alleine zu L. fahren, mich entschuldigen und die Versorgung wie geplant beenden.
Beides habe ich verweigert, denn genug ist genug.
Eine gute Stunde später rief dann mein Chef persönlich an – den die PDL wohl inzwischen informiert hatte – und hat sich nochmal genau schildern lassen, was bei L.  vorgefallen sei.
Und dann meinte er, dass ich aus seiner Sicht völlig richtig gehandelt und er selbst sich genauso verhalten hätte – denn an Kunden hätten wir keinen Mangel und auf solche Rassisten könnten wir gut verzichten.  Herr L. bekäme nun die fristlose Kündigung und ich solle mich während der restlichen Tour weiter gut um die Schülerin kümmern…..

Bleibt noch zu bemerken, dass die restliche Tour wirklich gut gelaufen ist und R. mir – wieder im Büro  angekommen – sagte, dass sie gerne die nächsten Tage auch weiter mit mir fahren würde.
Und, dass am Schlüsselschrank ein Fax mit der Kündigung an L. hing, klar in seiner Aussage, dass es der Auffassung unseres Chefs widerspricht, wenn sich jemand so verhält:

„…… deshalb können wir solche rassistischen Äusserungen unseren Mitarbeitern gegenüber nicht dulden und kündigen den geschlossenen Pflegevertrag mit sofortiger Wirkung….“

Dumm für L. wird nun sein, dass er  wohl  grosse Probleme haben wird, einen neuen Pflegedienst zu finden.  Schliesslich es ist guter Brauch, dass die verschiedenen Dienste in unserem Bereich miteinander kommunizieren, um wichtige Informationen weiter zu geben. Und dabei wird der Grund der Kündigung wohl auch zur Sprache kommen ….

Herzlos

Gestern Mittag habe ich mich etwas unbeliebt gemacht.
Zumindest bei Frau D.

„Zubereitung einen warmen Mahlzeit“ und „Hilfe bei der Nahrungsaufnahme“ standen für sie auf meinen Tourenplan – und normalerweise freut sie sich sehr, wenn wir ihr Mittagessen zubereiten  und ihr beim Essen Gesellschaft leisten. Denn alleine kann sie das nicht mehr und sie isst auch nur dann ausreichend, wenn sie ständig daran erinnert wird.

Allerdings war dieser Einsatz gestern nicht sehr glücklich getimed.
Hatte doch unsere Logistik dabei glatt übersehen, dass zum gleichen Zeitpunkt in England – genauer in Windsor – das gesellschaftliche Ereignis des Jahres statt fand. Worüber Frau D. – im Gegensatz zu unserem Logistiker – als eifrige Leserin einiger bunter Postillen und bekennende Royalistin natürlich bestens informiert war.

Und so fieberte sie diesem Ereignis schon seit Tagen entgegen und hatte dementsprechend in der letzten Woche beim Essen auch fast kein anderes Gesprächsthema mehr.
Logisch auch, dass sie dies „live und im Farbe“ am Fernseher verfolgen musste.

So war sie dann auch einigermassen empört, als ich just in dem Moment ihre Wohnungstür aufschloss, als in Windsor die Braut in die Kirche geführt wurde:

„Sie können doch jetzt nicht Essen machen! Das gehört sich doch nicht!“

ranzte sie mich an, als ich sie begrüsste.

Schliesslich sei das doch nun in Gottesdienst, und dabei könne sie nicht essen.
Was denn der Prinz von ihr denken solle, wenn sie ihre Linsensuppe löffeln würde, während er seiner Braut das Ja-Wort gibt? Aber ich könne mich ja einfach zu ihr setzen und mit ihr zusammen die Übertragung verfolgen.

Meine – zaghaften – Gegenargumente, dass ja trotzdem jetzt Mittagessen-Zeit wäre und ich ausserdem auch noch weitere Kunden  zu versorgen hätte, wollte sie dabei nicht gelten lassen

„Haben sie den gar kein Herz? Rührt Sie das denn überhaupt nicht an? „

ebenso wenig wie der Vorschlag, dass ich ihr statt des Mittagessens ja auch einfach einen Tee machen und ein paar Kekse hinstellen könne.

Nein, das ginge gar nicht!

Und dann wurde sie persönlich – was nach einigen Bemerkungen über meine  schlechte Kinderstube in die Frage mündete, wie es meine Frau mit so einem ungehobelten Klotz wie mir überhaupt aushalten könne, der kein Gespür für die wichtigsten Dinge im Leben habe.
Ich sei ein Banause, und überhaupt sei es eine Frechheit, dass ich bei meiner Tourenplanung solche gesellschaftlichen Ereignissse nicht berücksichtigen würde….

Tja….

Da war wohl nichts zu machen.
Also hab ich den Einsatz abgebrochen und mich unverrichteter Dinge wieder getrollt.

Wo Prinzen heiraten, ist für Linsensuppe einfach kein Platz!

Schneegedanken

Prinzipiell ist gegen Kälte und Schnee ja nichts einzuwenden, vorausgesetzt, diese Wetterphänomene treten zwischen dem 24. Dezember Mittags und dem 26. Dezember Abends auf – was vor allem für letztgenanntes gilt.
Auch für den Fall, dass ich mal Winterurlaub machen sollte, wäre Beides für mich akzeptabel, aber nicht zwingend notwendig.

Zur Höchststrafe werden solche Wetterkapriolen allerdings, wenn sie mit einem normalen Arbeitstag zusammentreffen, und man schon auf dem Hinweg zur Arbeit dem ersten Schneeflockenphobiker begegnet, der mit Tacho dreissig auf der Stadtautobahn den gesamten Verkehr aufhält und somit zum Bremsklotz und durch sein unsicheres Verhalten auch zur Gefahr  für alle wird, die damit besser zurecht kommen als er. Mir unverständlich, warum man unbedingt das Auto benutzen muss, wenn man mit den Strassenverhältnissen nicht klar kommt….

Und so werdet ihr sicher verstehen, dass ich dem aktuellen Wintereinbruch wenig abgewinnen kann.

Selbst, wenn Schnee an sich was schönes sein kann, zumal, wenn die Sonne darauf scheint – aber für Leute wie mich, die Teile ihrer Arbeitszeit im Auto auf glatten, verstopften Strassen  oder auf ungeräumten Gehwegen verbringen müssen – und teils mit wenig verständnisvollen Kunden konfrontiert sind

„Warum kommen Sie denn wieder so spät?
Sowas hätte es zu meiner Zeit aber nicht gegeben!
Dann muss man halt eher aufstehen, wenn man weiss, dass man Termine hat!“

sind Schnee und Eis quasi der Supergau, der den üblichen Stress gleich mehrfach potenziert.Besonders in einem Setting, in dem sich Termin an Termin reiht und  –  wie bei uns in der Firma – durch echte oder weniger echte Erkrankungen die Arbeitsbelastung ohnehin schon an der Grenze des Machbaren ist. Dann gibts den Ärger mit manchen Kunden  zu den nassen und kalten Füssen noch kostenlos dazu…

Das sind dann die Tage, an denen ich mir ernsthaft einen Bürojob wünsche:

Nine-to-Five in der warmen Hütte hocken, hin und zurück mit Bus und S-Bahn  und ansonsten das Wetter nur durchs Fenster angucken. Selbst, wenn mir dann diese Bilder entgangen wären, die mich zumindest für kurze Momente wieder mit dem Winter versöhnt haben:Denn immerhin hat den Tag über auch mal die Sonne geschienen und dann sah die Welt etwas anders aus – Eiszapfen inclusive, ein seltenes Phänomen im hanseatischen Winter 🙂

Aber trotzdem würde ich mich freuen,  wenn dieser weisse Spuk nun bald ein Ende hat und es endlich wärmer und angenehmer wird.
Und Schnee bitte erst wieder zu Weihnachten – und nicht wie angekündigt morgen gleich noch mal .

Treppenhauspoesie

Immer wieder treffe ich auf meinen täglichen Runden durch dutzende von Treppenhausern auf skurile oder weniger skurile Hinweisschilder oder Wanddekorationen, die von wohlmeinenden Mietern oder Hauswirten zum Zwecke einer allgemeinen Bekanntmachung an alle Mitbewohner – oder einfach aus Dekorationsgründen – dort aufgehängt wurden.

Skuril  zum Beispiel in soweit, als dass in einem frisch renovierten Treppenhaus mit Nadelfilzbelag  auf Stufen und allen  Etagen immer noch der alte Hinweis an einer Stufe prangt:

Dabei wären es zwei Handgriffe gewesen, das Schild mal eben abzuschrauben 🙂

Eher selbstgemacht scheint dieser Hinweis – der aber keinesfalls im Zusammenhang mit dem nächsten Exemplar steht, selbst wenn es angesichts von Asche auf der Treppe durchaus geraten scheint, sich die Schuhe vorm Betreten der Wohnung zu reinigen.Schlimmstenfalls sieht die Fussmatte dann so aus  – wobei die dazugehörige Treppe eigentlich immer gut geputzt ist, so dass die Frage berechtigt scheint, ob der Dreck nicht aus der Wohnung kommt:Und nein, das ist nicht der Name des Bewohners auf diesem Klingelschild, welches als gutes Provisorium inzwischen auch schon gute sieben Jahre überdauert hat: Natürlich sind Treppenhäuser auch Orte der Kommunikation, der Aufmunterung, des schnell dahin geworfenen Hinweises auf eine prekäre Lage  – oder des manifestierten Ordnungssinnes, wie mein neustes Exponat zeigt:Welches übrigens in einem Haus hängt, dessen Treppenhaus schon seit Jahren nach einer Sanierung schreit und auch ansonsten nicht durch übermässige Sauberkeit auffällt
Deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Spannung, ob sich da in den nächsten Wochen noch mehr tut.

Zu finden ist also einiges, wenn man genau hinguckt.

Und meine Sammlung enthält durchaus noch mehr  Beispiele dieser oder ähnlicher Art, die üblichen Standard – Aushänge

Tür um 21 Uhr abchliessen!!
Der Vermieter!

mal ganz aussen vor gelassen…

Allerdings ist es nicht immer leicht, in dunklen Treppenhäusern ordentliche Bilder zu machen, so dass ich davon momentan leider nichts mehr zeigen kann…..

Aber kommt Zeit, kommt mehr Poesie 😎

Gefahrenquelle

Immer wieder amüsant finde ich die Stilblüten, die sich in Treppenhausaushängen finden, die mir auf meinen täglichen Hamsterradtouren begegnen.
Wobei diese schon ein wenig heraus sticht:
Denn immerhin muss jeder, der das Haus betreten will, genau unter den angesprochenen Balkonen hindurch gehen.
Aber die Dinger sind in keiner Weise abgesichert.
Wenn da also einer runterkommt, gibts erheblich mehr „Dachschaden“ als bei der Kollision mit der Killerlampe :-/

Ausserdem stellt sich die Frage, wie  der Monster-Gefrierschrank, der bei unserer Kundin auf dem Balkon steht, da nun runter kommen soll.
Denn um den zu bewegen braucht es mindestens zwei kräftige Männer….
Das ist aber zum Glück nicht mein Problem 🙂

Victoria

Manchmal begegnen einem Menschen, die irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein scheinen.
So auch eine – nicht demente – Kundin, Frau P., die zu glauben scheint, dass sie die einzige auf der Welt ist, die auf fremde Hilfe angewiesen ist , und sich auch dementsprechend verhält. Uns Pflegekräfte, und noch mehr die Kolleginnen, die zwei mal in der Woche ihren Haushalt machen, hält sie für – Zitat – „Personal“, dass ihr möglichst jeden Wunsch von den Augen ablesen und natürlich auch jederzeit für zusätzliche Aufgaben zur Verfügung stehen sollte, absolute Pünktlichkeit dabei natürlich immer vorausgesetzt.

Immer leicht missmutig – wie die selige Queen Victoria auf diesem Bild – hält Frau P. in ihrem Fernsehsessel Hof, um von dort aus herablassend Anweisungen zu erteilen, die regelmässig weit über das vereinbarte Mass an Leistungen hinaus gehen.
So erscheint es Ihr zum Beispiel ganz selbstverständlich, dass jeder Kollege, der Donnerstags zu ihr kommt, um ihre Kompressionstrümpfe anzuziehen, vorher noch an irgend einem Kiosk ihre Klatschpostillen ala „Das neue Blatt“ bersorgt, damit sie adelstechnisch auf dem Laufenden bleiben kann.
Das sie diese Extraleistung nicht bezahlen will, versteht sich natürlich von selbst: „Da kommen sie doch sowieso vorbei!“

Wenn dann jemand nicht daran denkt – oder wie ich – sich schlicht weigert, seine private Zeit für diesen „Service“ zu opfern, ist sie tödlich beleidigt und der Einsatz verläuft in eisigem Schweigen…
Gerne kommen dann aber noch Extrawünsche, wenn man schon die Jacke an und den Schlüssel in der Hand hat: „Gucken sie doch mal in meinen Briefkasten!“ -„Nehmen Sie den Müll mit runter!“ – „Legen sie mal meine Wäsche in den Schrank!“…..usw.
Immer im Befehlston, niemals mit den kleinen Wörtchen „Bitte“ oder „Danke“ und natürlich voraussetzend, dass man erst mal wartet, bis sie umständlich den entsprechenden Schlüssel von ihrem Schlüsselbund gepult hat, dann gegebenefalls drei Treppen runter und wieder rauf trabt und damit wieder fünf Minuten Zeit verschenkt, weil auch diese Leistungen natürlich nicht vereinbart sind…

Versucht man, ihr das zu erklären, bekommt man allenfalls die vorwurfsvolle Antwort, dass es „zu ihrer Zeit zum guten Ton gehörte, solche kleinen Gefälligkeiten gerne zu erweisen….“

Tja… würde ich ja machen, wenn solche Forderungen nicht jeden Tag kommen würden. …

Denn rechnet man die Zeit mal zusammen, die für diese Zusatzleistungen im Jahr drauf gehen, dann sind das bei täglich fünf Minuten  immerhin mehr als 30 Stunden, entsprechend einem Gegenwert von gut 1400.- Euros, die meiner Firma dabei entgehen. Bezahlt werden wir nur für das Anziehen der Kompressionstrümpfe, also für 10 Minuten Arbeitszeit – und für zwei Stunden Haushaltsleistungen in der Woche, die auch regelmässig überzogen werden, weil Frau P. den Kolleginnen immer wieder damit Druck macht, dass sie in der Firma anruft und sich über „unzureichende Arbeitsleistungen“ beschwert….

Entsprechend unbeliebt sind natürlich die Einsätze bei ihr und auch immer mal wieder Thema in Dienstbesprechungen, die regelmässig  – fruchtlose – Besuche der Pflegedienstleitung im Hause P. zur Folge haben, um nochmal über den vereinbarten Leistungsumfang zu reden.
Meine Chefin bekommt zwar immerhin Kekse, Tee und Likör angeboten, erreicht aber auch nichts, weil Frau P. keinen Deut von ihrem Standpunkt abrückt, ein Recht auf ein kostenfreies „Rundum-Wohlfühl-Paket“ zu haben….
Das unsere Firma  – wie jeder Pflegedienst – davon lebt, was wir in unserer eng getakteten Arbeitszeit erarbeiten, will Frau P. so gar nicht einsehen.
Meine Pflegedienstleitung war jedenfalls völlig von den Socken, als Frau P. ihr  gestern beim letzten Besuch allen Ernstes vorschlug, sich doch „eine andere Beschäftigung zu suchen, wenn das nicht ausreicht, was sie bei mir verdienen können“ und ihr bei der Verabschiedung noch mit auf den Weg gab: „Dann müssen sie halt mehr arbeiten, um Ihr Auskommen zu haben!“

Was nun wohl demnächst zur Folge hat, dass Frau P. sich einen anderen Pflegedienst suchen muss.
Denn – Zitat PDL – : „Genug ist genug!“

Fussgänger

Nun ist es ja so, dass wir in der Firma im Umgang mit unseren Kunden gewisse Umgangsformen wahren.
Deshalb ist es eigentlich selbstverständlich, dass wir – bis auf ganz wenige Ausnahmen, wo die Kunden das ausdrücklich wünschen – unsere Kunden mit Nachnamen und „Sie“ ansprechen.
Wohingegen einige Kunden uns Pflegekräfte auch einseitig Duzen und es ansonsten durchgängig üblich ist, dass wir von den Kunden mit Vornamen und „Sie“ angesprochen werden. Zumal es vielen Kunden auch schwer fällt, sich unsere z.T. doch recht komplizierten Nachnamen zu merken.
Deshalb steht auf unseren Namensschildern auch zumeist nur unser Vorname, wie auch bei mir:Manchen Kunden, die mehr auf äussere Förmlichkeiten achten, reicht das aber nicht.
Die erkundigen sich dann nach unseren Nachnamen, um uns „korrekt“ ansprechen zu können.
Und auch, wenn mein Familienname an sich nicht so schwer zu merken ist, reiche ich dann meisst eine Gedankenstütze mit

„B…gänger – wie die B… und der Fussgänger“

So hab ich das vor ein paar Tagen auch bei Herrn Y. gemacht, einem neuen Kunden, den ich vor etwa einer Woche das erste mal versorgen musste und der sehr viel Wert auf einen formgerechten Umgang legt. In diesem ersten Einsatz klappte das auch ganz gut, er hatte kein Problem damit, mich auch mehrfach richtig mit meinem Nachnamen anzusprechen.

Als er dann am nächsten Tag von einem Kollegen versorgt wurde, war das schon etwas schwieriger, dem hat er nämlich erzählt, dass er am Vortag von einem Herrn „Fussgänger“ versorgt worden wäre….
Und dabei bleib es  auch in den Folgetagen, wie der Kollege  im Büro süffisant beim gemeinsamen Frühstück berichtete und was nun zur Folge hat, dass ich in der Firma gerade einen neuen Spitznamen bekomme.
Selbst die Cheffin verstieg sich heute morgen dazu, mich mit einem freundlichen

„Guten Morgen, Herr Fussgänger !“

zu begrüssen……

Müssig zu erwähnen, dass alle Korrekturversuche durch den Kollegen bei dem Kunden natürlich  nichts gefruchtet haben, denn von dem bekam ich heute bei meinem Eintreffen zum Verbandwechsel exakt die gleiche Begrüssung…Das hat der Kunde dann auch den ganzen Einsatz über durchgehalten.
Und nachdem auch mein wiederholtes insistieren nichts gebracht hat, wird es nun wohl dabei bleiben…

Selbst schuld, wenn ich mich so vorstelle – Den Namen habe ich jetzt wohl erst mal weg.

Deshalb überlege ich gerade, ob ich spontan mein Namensschild umgestalte und einfach an den neuen Spitznamen anpasse 😎