Dezemberlicht am Veringkanal

Gute Vorsätze sollte man ja in die Tat umsetzen – und so bin ich vorhin zu Fuss zu meinem Doktor gelaufen – immer in Etappen von 200-300 Schritten und zunehmend flüssiger, je länger ich unterwegs war. Immerhin hab ich meine Rezepte bekommen, aber natürlich war der Befund von letzter Woche noch nicht da, um dessen Willen ich eigentlich dahin wollte :-/

Deshalb habe ich mir dann überlegt, ich könne ja auf dem Rückweg noch einen kleinen Umweg am Kanal entlang drehen , um mein heutiges Trainingsprogramm noch ein wenig zu ergänzen:So war ich dann heute gute viereinhalb Kilometer unterwegs und habe auch gleich noch ein paar Bilder mitgebracht, weil gerade so ein schönes Dezemberlicht war: (Ihr kennt das: Klick ausfs Bild -> Bild gross 🙂 )

Die Soulkitchen-Halle, bekannt geworden durch den Film von Fatih Akin, danach kurzzeitig Eventhalle und Disco, dann von der Stadt wegen angeblicher Baufälligkeit geschlossen und für den Abriss bestimmt, steht nun seit sechs Jahren leer:

Kleine Idylle zwischendurch:

Blick von der Brücke an der Neuhöfer Strasse nach Norden:

und nach Süden – im Hintergrund der Wilhelmsburger Wasserturm:

Und natürlich die „Katzenkocherei“, hier schon mal Thema, eigentlich eine Fettraffinerie und wegen ihrer je nach Windrichtung abgesonderten, absonderlichen Düfte so genannt.
Aber selbst die wirkt in diesem Licht ganz ansehnlich:
Wilhelmsburger Industrieromantik halt 😎

Da ist mir allerdings der Blick von der Fussgängerbrücke auf  Wassersturm und  Wilhelmsburger Krankenhaus schon lieber: Immerhin ist es von da aus nicht mehr weit nach Hause – Fünfhundert Schritte hab ich gezählt …

Und ja, es ging ganz gut so, wenn ich auch meine Zeit für die Strecke gebraucht habe.
Aber das kann jetzt durchaus als Versuch für weitere Fotoexpeditionen in die nähere und weitere Umgebung durchgehen. Allemal, wenn das Licht so ist wie heute. 🙂

Selbstmotivation und Beschäftigungstherapie

Nachdem nun gestern auch die wesentlichen Punkte in Bezug auf meinen Job geklärt worden sind (sobald es geht: Wiedereinstieg über eine Wiedereingliederungsmassnahme, während der dann auch die weiteren Rahmenbedingungen fest gelegt werden), kommt nun die Phase meiner Beingeschichten, die sich erfahrungsgemäss als die am wenigsten einfache erwiesen hat:
Irgendwie muss ich es hin bekommen, regelmässig zu trainieren, damit meine schmerzfreie Gehstrecke grösser wird als die 150 Meter, die immer noch Stand der Dinge sind.

Dabei hat es sich ja auch beim letzten Mal schon als wenig motivierend erwiesen, immer nur im Kreis – und quasi ziellos – um den Block herum zu laufen, im Gegenteil war das eher frustrierend.
Einfacher ging es immer, wenn ich ein konkretes Ziel hatte oder eine nicht alltägliche Umgebung – wie damals in Leipzig, wo ich wirklich viel zu Fuss unterwegs war.
Aber Leipzig und die anderen Orte von Frau Momos Welttournee sind ja zum Glück  nun Geschichte, und so muss eine andere Lösung her:

Dabei bietet es sich  an, dass ich das Notwendige mit dem Nützlichen verbinde und zum Beispiel alle Einkäufe übernehme, die jetzt vor Weihnachten noch anfallen – soweit möglich zu Fuss, wenn ich die Sachen hier auf der Insel bekomme und die Einkäufe nicht all zu schwer sind, sonst halt mit dem Auto und dabei trotzdem bis an die Schmerzgrenze gehen.
Auch zum Doktor werde ich nachher laufen und damit mein heutiges Training absolvieren.

Ein weiteres Trainigsfeld findet sich hier in Haushalt, soweit ich dabei stehen muss.
Beispielweise beim Kochen, Betten machen, Wäsche aufhängen usw. – was auch ein Grund für meine aktuellen Küchenaktivitäten ist und gleichzeitig noch Spass macht. Wie gestern, als ich mal wieder ein altes Rezept aus unserem Küchenstudio „aufgewärmt“ habe:

Chili con Carne

Dafür hab ich nach meiner Rückkehr vom Gespräch in der Firma noch eingekauft und anschliessend eine gute Zeit in der Küche gestanden. Mit wirklich leckerem Ergebnis, dass nun gleich wieder für zwei Tage reicht. 🙂

Trotzdem wird das alles wohl noch nicht reichen.
Ich werde also überlegen müssen, wo sich noch Trainigsfelder finden, die ein „lohnendes“ Ziel bieten und genug Motivation um mit dem Hintern aus dem Sessel zu kommen.
Zum Glück habe ich ja dieses Mal ein Auto zur Verfügung, so dass ich bei der Auswahl meiner Ziele nicht nur auf unsere Insel beschränkt bin, sondern auch andere Orte ansteuern kann, die mir dann als Trainingsbasis dienen können…..

Das neue Vierzig?

„Sechzig ist das neue Vierzig“

Auch so ein Slogan, der in der letzten Zeit des öfteren mal zu lesen war.
Und endlich kann ich mir selbst ein Urteil erlauben, ob der wirklich stimmt.

Wobei ich selbstkritisch vermerken muss, dass ich mich trotz meiner altersbedingten Zipperlein und diverser Ersatzteile – die mir das Leben erleichtern – nicht so fühle wie Menschen, die ich als Sechzigjährige vor Augen habe aus meiner Kindheit,   meiner Jugend oder meinem Leben als Zwanzig- oder Dreissigjähriger…
Die kamen mir nämlich damals wahnsinnig alt vor, nicht nur vom körperlichen Aspekt, sondern auch in ihrem ganzen Habitus – der Rente näher als der Lehre, altmodisch sowohl in der Kleidung als auch ihren Ansichten.
Gut, auch meine Rente ist jetzt in greifbarer Nähe, vielleicht sogar schneller, als ich damit gerechnet habe.
Aber so alt fühle ich mich deswegen trotzdem nicht.

Dennoch bin ich heute ein anderer, als ich mit Vierzig oder Fünfzig war. Und das nicht nur, weil sich die Umstände meines Lebens seither geändert haben.
Der Unterschied, so wie ich ihn selbst bemerke, liegt vor allem in den Erfahrungen, die ich in der Zwischenzeit gemacht und in der Gelassenheit, die ich dadurch gewonnen habe.

Immer öfter kommt mir der Gedanke, das mein Leben gut ist, so wie es ist.
Mit meiner Liebsten, den Fellnasen und in der kleinen Welt, in der ich lebe und mich regelmässig bewege.
Also kein „Sturm und Drang“ mehr, kein Wunsch mit dem Kopf durch die Wand zu laufen, um an Ziele zu gelangen, die sich bei näherer Betrachtung dann doch nicht als lohnenswert erweisen.
Ich muss auch nicht mehr jeder Mode und jedem Trend hinterher laufen, weil ich zufriedener geworden bin ist dem, was ist und mit dem, was ich habe.
Und das ist gut so!

Wenn das „alt“ ist, dann bin ich gerne „alt“.
Denn das ist eine Qualität des Lebens, die mir mit Vierzig oder Fünfzig noch völlig abgegangen ist und auf die ich ungerne verzichten würde.
Dafür nehme ich Zipperlein und Ersatzteile gerne in Kauf – falls die der Preis dafür sind. Ein billiger Preis im Übrigen, wie ich finde….

Was nun nicht heisst, dass ich keine Ziele oder Wünsche mehr habe.
Im Gegenteil, die gibt es durchaus, wenn auch weniger materieller Natur und etwas realistischer als früher.

Bis auf ein Ziel vielleicht, das noch weit in der Zukunft liegt:
Alt zu werden zusammen mit meiner Liebsten – so alt, dass wir irgendwann zusammen  so glücklich an der Elbe sitzend die Abendsonne geniessen können wie dieses Paar:
Und vielleicht auch noch so alt, das wir zusammen die goldene Hochzeit feiern werden….

Nur Eins weise ich weit von mir:

Altmodisch fühle ich mich nicht, selbst wenn meine Kleidung sicher nicht mehr dem neusten Trend entspricht und sich in meinen Ansichten manches finden lässt, das man als „Produkt meiner Erziehung“(oder meiner Erfahrungen?) bezeichnen könnte. Das mag aus Sicht einer jüngeren Generation zwar reichlich „Retro“ (Danke meiner Geliebten für  dieses Stichwort) sein, aber warum sollte ich daran etwas ändern, wenn es sich als gut und richtig für mich erweisen hat?

Aber gut.
Wie  war nochmal die These aus dem ersten Satz?

„…..Das neue Vierzig?“

Nein, das kann ich wohl nicht unterschreiben. Dieser Satz drückt mir einfach zu viel Unzufriedenheit aus. Warum sollte ich etwas hinterherlaufen, was meine Vergangenheit ist?
Ich würde wirklich nicht nochmal Vierzig sein wollen angesichts dessen, was ich seither gelernt und an Erfahrungen gesammelt habe. Da war zwar auch viel schönes dabei, aber manche Dinge aus dieser Zeit muss ich einfach nicht nochmal haben.

Deshalb lautet mein Fazit auch eher so:

„Ich  bin Sechzig und das ist gut so!“

In diesem Sinne also:

Was zu erwarten war:

Nach der Ultraschall-Untersuchung in der letzten Woche war ja gestern der Termin für das CT, mit dem meinen Beinproblemen noch tiefer auf den Grund gegangen werden sollte.

Um es gleich vorweg zu nehmen:
Gravierend neue Erkenntnisse hat die Untersuchung auch nicht gebracht, aber  doch die Sicherheit, dass da jetzt nicht noch mehr ist als ein verstopfter Bypass im Knie.
Alles oberhalb der Kniee ist quasi ohne Befund, denn bis auf ein paar Kalkablagerungen findet sich nichts weiter aufregendes in meinen Arterien.

Sehr beruhigend also!
Denn mit der Erkenntnis kann ich leben.
Zwar ist es  gerade nicht so furchtbar prickelnd, dass ich lauftechnisch so eingeschränkt bin, aber zumindest weiss ich jetzt genauer, wie die Geschichte weiter gehen wird:

Wahrscheinlich nächste Woche gehts ins Krankenhaus für eine Serie Prostaglandin-Infusionen zur Gefässerweiterung und dann heisst es laufen, laufen, laufen, um die Kollateralarterien für ihre neuen  Aufgaben zu trainieren – nämlich das Blut an Unterschenkel und Fuss zu liefern, das durch den verstopften Bypass da nicht mehr hin gelangt.
Und zuhause geht es mit dem Laufenüben natürlich weiter, damit ich günstigstenfalls das gleiche Ergebnis erreiche, das diese Therapie auch auf der rechten Seite schon gebracht hat.

Damit könnte ich dann sogar wieder arbeiten, wenn meine regelmässige Laufstrecke wieder bei 400-500 Metern ohne Schmerzen liegt.
Ein Ziel, das durchaus realistisch ist und wohl lediglich eine Frage der Zeit und meiner Motivation, den Hintern vom Sofa zu kriegen.Im Übrigen versuche ich auch jetzt schon, jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu laufen, damit ich den Prozess schon mal anstosse.
Mit entsprechend Schmerzmitteln geht das.

Die Alternative, nämlich einen neuen Bypass zu legen, hat sich gestern quasi von selbst erledigt, als sich herausgestellt hat, dass damit nur einer der drei Arterienäste im Unterschenkel versorgt werden könnte und so das Risiko grösserer Schäden deutlich steigt, falls dieser dann auch wieder zu gehen sollte – von den OP-Riskien mal ganz abgesehen.

Das muss ich beides nicht haben.

Gedreht und gewendet

Der Blick aus dem Küchenfenster lässt eigentlich nur eine Feststellung zu: Es ist Badewannenwetter!

Womit wir mal wieder bei einem Problem sind, an dem sich auch in sechs Jahren nichts geändert hat:Ich bin zu lang – oder die Wanne zu kurz!
Egal, wie man es auch dreht und wendet – so passt das nicht.
Entweder die Beine liegen im Warmen, dann sind die Schultern und Oberarme kalt – oder es ist umgekehrt und die Knie frieren.
So kann es einfach nichts werden mit dem Badevergnügen…

Schade, es hätte mir so gut gefallen, mal eine Runde im warmen Wasser zu liegen.
Bleibt also wieder nur die Dusche, um mich aufzuwärmen..

Flügellahm

Nicht nur ich hab „Beine“ – nein, auch der „Götterbote“ Hermes hat momentan wohl etwas Probleme mit den Flügelsandalen.Anders jedenfalls kann ich mir nicht erklären, warum sein Abgesandter nicht in der Lage ist, mir endlich das Paket zu bringen, dass schon seit beinahe einer Woche jeden Morgen aus dem Zustelldepot ins Auto geladen  und abends wieder ins Lager gepackt wird: Auch mein Angebot, das Paket selbst aus einem Shop abzuholen, damit dem Sandalenträger die Treppe erspart bleibt fruchtet da nicht.
Was um so erstaunlicher ist, als dass die Liebste im selben Zeitraum auch ein Paket erwartete, welches – mit dem gleichenLogistiker unterwegs – inzwischen anstandlos zugestellt wurde. Zum selben Paketshop – und innerhalb Hamburgs drei Tage unterwegs – aber immerhin ist es angekommen und beweist, dass der Götterbote trotz kaputter Flügellatschen durchaus noch in der Lage ist, seinen Aufgaben nachzukommen.
Wenn auch noch langsamer als ich….

Schade.
denn bisher hatten wir immer den Eindruck, dass die „Blauen“ doch noch um einiges zuverlässiger sind als die „Gelb-Roten“ von der Konkurrenz.

Schade auch, weil damit der Frieder-Bruder Ludwig den ersten Advent in einem dunklen Karton im kalten Lager zubringen muss, statt gemütlich mit seinem Geschwisterkind  zusammen ein Pfeifchen zu rauchen  und dabei Wohlgerüche in unserem Wohnzimmer zu verbreiten.
Kein schöner  erster Advent also für Ludwig…..

Aber was hilft es zu lamentieren?
Da bleibt nur, sich in Geduld zu fassen und abzuwarten – für Ludwig – und für uns.
Irgendwann wird es schon klappen mit der Zustellung und dann wird der zweite Advent um so schöner – hoffentlich 🙂

Bis dahin wünsche ich allen Vorbeilesenden einen wunderbaren ersten Advents-Sonntag!
Und Ludwig das baldiges Ende seiner Gefangenschaft im Karton….

Schneller laufen

Nein, ich hadere nicht mit dem, was da gerade mit mir passiert.

Auch nicht, wenn das, was nun vor mir liegt wieder mit einer Menge Unwägbarkeiten verbunden ist, die möglicherweise am Ende eine ganz andere Richtung vorgeben als die, die ich mir / wir uns eigentlich vorgestellt hatten.
Aber das werden wir erst in ein paar Monaten wissen, wenn sich zeigt, wie weit ich mit meinen Gehübungen komme.
Im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne.

Deshalb ist es auch müssig, sich jetzt schon Gedanken um das zu machen, was dann sein könnte.
Arbeitsfähig oder nicht, Job behalten oder nicht, Arbeitslosigkeit, Rente, Grad der Behinderung, sinnvolle Beschäftigung, wenn es mit Arbeiten nicht mehr geht?
Fragen, auf die es im Augenblick keine Antwort gibt, die aber trotzdem im Hintergrund wabern und mich  – zugegeben –  auch mitten in der Nacht aus dem Bett treiben,  obwohl ich genau weiss, dass ich dafür gerade keine Lösungen finden kann.
Immerhin  erwachsen aus diesen Fragen erst mal keine wirtschaftlichen Probleme, auch wenn sich natürlich einige Einbussen ergäben wenn ich nicht mehr arbeiten könnte. Trotzdem hätten wir unser Auskommen.
Und das ist schon mal gut zu wissen.
Alles andere wird sich finden – muss sich finden, wenn es soweit ist.

Geduld ist also gefragt, bevor neue Pläne gemacht werden können. Mehr nicht.
Abwarten und Tee trinken – und natürlich laufen, soviel ich schaffe.
Bis an die Grenze des Schmerzes und darüber hinaus.
Wieder lernen, sich nur auf den nächsten Schritt zu konzentrieren.
Auch das im wörtlichen und übertragenen Sinne.

Denn wenn ich unterwegs bin, so wie gestern beim Einkaufen, kommt unweigerlich irgendwann der Punkt, wo es erst mal nicht mehr weiter geht, eine Pause nötig ist, ein Kräfte sammeln, bevor ich weiter laufen kann. Und auch der Ärger über meine Beine, die nicht das machen wollen, was mein Kopf möchte, die mich hindern, an das Ziel zu kommen, das ich vor Augen habe.
Aber der Ärger bringt mich auch keinen Schritt weiter, das habe ich schon vor drei Jahren gelernt, als es ja genau so war.
Richtig voran ging es damals erst , als angefangen habe, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, als ich akzeptieren konnte, dass Langsamkeit mein neues Tempo ist, egal, wie schnell die Welt um mich herum sich dreht:

„Schneller laufen als meine Beine mich tragen geht halt nicht.
Punkt.“

Das hatte ich fast vergessen in den letzten Monaten, in denen ich einfach mitgelaufen bin, als das Hamsterrad sich immer schneller drehte.
Nicht dass ich denke, dass es daran nun liegt, dass jetzt dieser Rückschlag kam.
Nein, das Hamsterrad ist wohl nicht Schuld, sondern  eher ich selbst, der ich nicht rechtzeitig die Signale ernst genommen habe, die mein Körper mir gegeben hat.
Wobei ich nicht denke, dass damit zu verhindern gewesen wäre, dass  der Bypass sich zu setzt. Das wäre wohl so oder so passiert.
Nur vielleicht etwas später.
Oder es wäre eher bemerkt worden.

Aber egal.
Es ist wie es ist!

Um es mit Tolkien zu sagen:

Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach,
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Also schaunmermal, was die nächsten Tage und Wochen so bringen – angefangen mit dem CT-Termin am nächsten Mittwoch, der die vorgestrige Diagnose noch  vertiefen wird und weiter mit dem stationären Aufenthalt im Krankenhaus, der in der Woche darauf folgen wird.
Dann wird sich vielleicht zeigen, wie es weiter geht…. ein wenig…

Terra incognita

Damals war ich noch abenteuerlustig.

Es war ja auch noch was relativ Neues für mich, quer durch Deutschland zu reisen, um die Liebste am ersten Ort ihrer Welttournee zu besuchen…
Und so nahm an diesem Tag – heute vor fünf Jahren  – meine Leidenschaft für ein entschleunigtes Reisen abseits der üblichen Routen auf der Autobahn ihren Anfang und wurde in den folgenden Jahren zum Running-Gag im Freundeskreis, der immer wieder im liebevoll-lästerlichen Versprechen gipfelte, mir einen „Feldwege-Atlas“ zu schenken.
Müssig zu erwähnen, dass ich diesen speziellen Atlas nie bekommen habe, obwohl sich in der Folge meine Leidenschaft für die Landfahrerei  mehr und mehr manifestierte und fast schon neurotische Züge annahm.

Synonym dafür wurde ein kleiner Ort in der Magdeburger Börde, einsam mitten im Naturschutzgebiet am Mittellandkanal gelegen – Piplockenburg, der aufgrund meiner „Eskapaden“ im Freundes-und Bekanntenkreis doch eine gewisse Berühmtheit erlangte, so dass damals in meinem Kopf der Plan reifte diesen Ort noch einmal – möglichst bei Tageslicht – zu besuchen 🙂
Alleine schon aus nostalgischen Gründen – aber auch, weil mich im Lauf der kommenden Monate der Gedanke durchaus gereizt hat die Gegend dort noch genauer zu erkunden.

Dazu ist es aber leider nie gekommen, obwohl es während der „Leipziger Zeit“ die Gelegenheit durchaus gegeben hätte. Immerhin führte meine Standard-Route zur Liebsten nur knapp zwanzig Kilometer daran vorbei….
Dumm halt nur, dass sich zu dieser Zeit die Abenteuerlust schon etwas abgenutzt hatte und nicht mehr der Weg, sondern das Ziel das Ziel war – und die Fahrerei sich mehr als lästiges Übel denn als Lustgewinn erwies.
Landstrasse gefahren bin ich zwar zu der Zeit auch, aber mehr aus praktischen Erwägungen heraus….

So wird Piplockenburg wohl ein Ort bleiben, dem, obschon da objektiv betrachtet wohl nicht viel zu sehen ist, auch weiter eine gewisse Mystik innen wohnen wird.
Zumal auch kein Grund mehr besteht,  auch nur in die Nähe dieses Ortes zu kommen.
Denn das Fernbeziehungsleben ist ja vorbei – zum Glück….

Was nicht heisst, dass es jetzt keine Abenteuer mehr gibt und nichts Unbekanntes mehr vor mir – vor uns  – liegt.
Im Gegenteil!

Nur werden diese Abenteuer ganz anderer Natur sein und wohl massgeblich davon geprägt, was die ärztlichen Bulletins der nächsten Wochen ergeben.

Schaumermal, welche Umwege und Entschleunigungen sich daraus dann ergeben…..

Zwischenstände

So richtig doll ist das ja alles nicht gerade – aber auch nicht so schlimm, dass ich deswegen nun jammern müsste.

Zumindest geht es mir jetzt wieder ein wenig besser, wenn auch meine Probleme beim Laufen  und die  – mal wieder – aufkeimenden Novembernebelgedanken noch nicht so ganz verschwunden sind:

Was die Beingeschichten angeht, habe ich inzwischen einen Termin für eine Kontrolluntersuchung bekommen, zwar erst Mitte Dezember, aber immerhin.
Schneller wäre das nur gegangen, wenn ich mich notfallmässig ins Krankenhaus hätte einweisen lassen – aber soooo schlimm sind die Beschwerden im Moment ja auch wieder nicht.

Einigermassen geklärt ist auch  die Sache mit der Arbeitsüberlastung, die wohl mit ein Auslöser für mein Unwohlfühlen der letzten Wochen ist, das nach den Tagen auf dem Darss zwar nicht wie weg geblasen, aber doch etwas gemindert ist.

Immerhin hat unsere Logistik es geschafft, die vereinbarte Schonzeit im aktuellen Dienstplan einzuplanen, wenn sie auch im Tagesgeschäft nicht vollständig umsetzbar ist. Denn was der Plan -zwangsläufig –  nicht berücksichtigen kann sind krankheitsbedingte Ausfälle von Kollegen, die dann trotzdem Mehrarbeit notwendig machen und die geplante tägliche Arbeitszeit von (nur) sieben Stunden  immer wieder über die Achtstundengrenze anheben, wie an fast jedem Tag in dieser Woche….
Aber wenigstens muss ich keine Doppelschichten mehr fahren  und auch die nächste freie Woche  Anfang Dezember ist schon in greifbarer Nähe.
Ausserdem gilt auch die Absprache, dass ich jederzeit die Notbremse ziehen kann, wenn es zuviel wird.
Was auch gut ist….

Pillepalle dagegen die Sache mit dem geklauten Nummernschild, dass sich vermutlich nun am Heck eines prolligen Nobelschlittens irgendwo im Osten Europas herumtreibt und eine Neuzulassung unsers Autos notwendig macht.
Viel – virtuelle – Lauferei und einiger Organisationsaufwand, aber machbar und inzwischen auch soweit eingestielt, dass die nötigen Verwaltungsakte in zwei Wochen hinter uns liegen werden.
Zwei Wochen, weil die Hamburger Behördenmühlen derartig langsam mahlen, dass vorher kein Termin bei der Zulassungsstelle zu bekommen war….

Soweit also ist alles auf einem guten Weg – im Moment jedenfalls.

Und die Novembernebelgedanken werden sicher in ein paar Tagen auch verschwunden sein, denn es gilt immer noch, was ich vor vier Jahren dazu geschrieben habe:

Hallo Novembernebel!
Gut, dass ihr mal wieder vorbei  schaut, um mich daran zu erinnern, dass es in meinem Leben nicht immer so gut zu ging wie heute. Und noch besser, dass ihr morgen wieder geht, denn morgen ist ein neuer Tag und die Sonne wird wieder scheinen 🙂

Also nicht wundern, wenn es hier etwas ruhiger zugeht im Moment – das wir auch wieder anders!

Gemütlich geht anders

„Ein Zuhause wird erst richtig gemütlich mit einer Katze“

So steht es jedenfalls auf einer Kachel, die wir vor Jahren mal auf einem Flohmarkt erworben haben. Was im Umkehrschluss ja auch bedeutet, dass es mit der Gemütlichkeit vorbei ist, wenn die Fellnasen -oder zumindest eine davon – mal nicht anwesend sind.

Und genau so ist es, denn von der Richtigkeit der oben zitierten These konnten wir uns gestern schmerzlich überzeugen:

Beim abendlichen Durchzählen an den Futternäpfen fehlte nämlich diese junge Dame, Frau Elli, unsere Unschuld vom Lande: Dem haben wir aber zunächst nicht viel Bedeutung zugemessen, denn es kommt schon mal vor, dass sie zuerst ihren Lebensabschnittsgefährten – den Herrn Hein  – fressen lässt, um dann später in Ruhe den leeren Magen füllen zu können.

Wirklich aufgefallen ist ihr Fehlen dann erst später, als wir gemütlich auf dem Sofa lümmelnd den Dienstagabendkrimi gucken wollten – eine Gelegenheit, zu der sich sonst immer die ganze Familie im Wohnzimmer versammelt – die Zweibeiner auf dem Sofa und die Vierbeiner auf dem Teppich davor oder daneben.:

Herr Hein war da, Frau Elli nicht.

Zu diesem Zeitpunkt wars dann mit der Gemütlichkeit vorbei und ein Absuchen aller bekannten Verstecke in der Wohnung begann.
Leider ohne Erfolg, wie auch alle Versuche, sie mit Leckerlis zu locken, denen sie sonst nicht widerstehen kann.

Auch die Erweiterung des Suchbereiches auf den Balkon führte zu keinem Ergebnis, so dass die Liebste – schon halb in Panik – anschliessend noch den Innenhof ins Visier nahm in der Befürchtung, unsere Mitbewohnerin könne unbemerkt vom Balkon gefallen sein.

Aber auch da: Nichts!

Blieb also nur noch die Hoffnung, dass Elli garstigerweise nicht gefunden werden wollte und möglicherweise feixend in einem Versteck hockte, das uns bisher entgangen war…

Ein Gedanke, der aber nicht wirklich zur weiteren Beruhigung beitrug.
Denn wir hatten wohl beide noch den Gedanken im Kopf, wie wir damals Fiete hinter seinem Sessel gefunden haben.

Und so hab ich mich nochmal auf den Weg nach unten gemacht – doppelt gemoppelt hält eben besser – während die Liebste  sich angesichts des drohenden morgendlichen Weckerklingelns  schon mal ins Bett legen wollte, allerdings ohne allzu grosse Hoffnung auf guten Schlaf.

Doch soweit kam es dann gar nicht, denn auf dem Weg nach unten entdeckte ich ein wohlbekanntes Fellkäuel unter dem Schuhschrank der Nachbarn, der im Treppenhaus steht.
Da sass sie also, unser Ausreisserin, die wohl doch Angst vor  der eigenen Courage bekommen hatte, nachdem sie unbemerkt aus der Wohnung geflitzt war, als die Liebste nach Hause kam.

Aber Elli sehen und sie einfangen sind zwei verschiedene Dinge.

Mir ist es jedenfalls nicht gelungen, während die Liebste sie anstandslos auf den Arm nehmen und in die Wohnung zurück tragen durfte….

Also Ende gut – alles gut.
Und die Gemütlicheit ist auch wieder hergestellt 🙂
Doch leider werde ich wohl nie erfahren, wer der Mörder war….


Und weil es gerade so gut passt:
Hier noch die Liebeserklärung eines anderen Katzenbesitzers 🙂