Die Schuld des Neandertalers?

Manchmal frage ich mich schon, wo das noch hinführen soll:
Jeden Tag auf der Flucht – und das ohne Not: Ich als bekennender Morgenmuffel, der ich früher ganze Wochenenden im Bett verbringen konnte – ohne schlechtes Gewissen, obwohl es manch anderes zu tun gegeben hätte  – entwickele momentan geradezu eine Phobie gegen diese Lagerstätte.
Mehr als vier, viereinhalb Stunden schlafe ich meisst nicht.
Dazu noch ein kurzes Nickerchen vor dem Fernseher am späten Nachmittag.
Das reicht.
Mehr Schlaf brauche ich wohl nicht  – und länger liegen kann ich auch nicht.

Wobei ich nur vermuten kann, dass dieses  Phänomen wohl auch damit zusammenhängt, dass ich körperlich nicht wirklich ausgelastet bin zur Zeit.
Kein Treppauf, Treppab, kein erzwungenes Aufstehen um vier, keine langen Runden im Hamsterrad, kein ermüdendes Stehen im Hamburger Verkehrschaos.
Auch keine langen nächtlichen Grübeleien wie vor zwei Wochen noch….

Eigentlich ja gut, aber trotzdem kein Anlass, nicht länger im Bett bleiben zu können.
Wo es doch eigentlich ganz bequem wäre, da zu liegen – ob zum Lesen, Fernsehen oder Musik hören, Meditieren oder was auch immer.

Geht aber nicht.

Bleibt also als einzige Erklärung, dass es nun wohl beginnt mit den ersten Alterserscheinungen – Senile Bettflucht gehört ja auch dazu…
In vielfältigen Erscheinungsformen, wie man erfährt, wenn man das Thema mal kugelt, wozu ja reichlich Gelegenheit ist, wenn man ohnehin nicht schlafen kann.
Tausende von Websites gibt es dazu und  sicher genauso viele Erklärungen und Ratschläge.

Wovon mir diese  ja besonders gefällt:

„Forscher glauben, dass dies evolutionäre Bestimmung ist. Wenn vom Familienclan nämlich immer jemand wach ist, steht zumindest einer zum Alarmschlagen bereit, falls eine Gefahr droht. …..
Die Annahme lautet: In den späten Abend- und frühen Morgenstunden muss niemand zum Aufpassen eingeteilt werden, da entweder die Jungen oder die Alten ein Auge oder ein Ohr auf das nächtliche Geschehen haben. Das ist unserem Schlafbedürfnis zu verdanken, dass sich im Laufe unseres Lebens verändert. So klingt zumindest das Fazit einer kürzlich veröffentlichten Studie.

Eine „steile“ These, fürwar!
Wenn die so stimmt, ist also der Neandertaler in mir Schuld daran, dass ich es nicht aushalte im Bett…

Wobei der natürlich nicht wissen kann, dass er mich völlig grundlos weckt, denn da ist niemand, den ich um die Zeit bewachen müsste.
Meine Liebste ist ja meist schon vor mir auf….

Aber –  wie eingangs erwähnt, bleibt da die Frage, wohin das noch führen wird?
Wenn ich jetzt schon jetzt – völlig grundlos – so wenig schlafe, was soll dann werden, wenn ich mal achtzig, neunzig oder gar hundert bin?
Brauche ich dann überhaupt noch ein Bett? Oder können wir den Platz andererweitig nutzen?
Und falls ja, für was?

Fragen über Fragen…..

Dezemberlicht am Veringkanal

Gute Vorsätze sollte man ja in die Tat umsetzen – und so bin ich vorhin zu Fuss zu meinem Doktor gelaufen – immer in Etappen von 200-300 Schritten und zunehmend flüssiger, je länger ich unterwegs war. Immerhin hab ich meine Rezepte bekommen, aber natürlich war der Befund von letzter Woche noch nicht da, um dessen Willen ich eigentlich dahin wollte :-/

Deshalb habe ich mir dann überlegt, ich könne ja auf dem Rückweg noch einen kleinen Umweg am Kanal entlang drehen , um mein heutiges Trainingsprogramm noch ein wenig zu ergänzen:So war ich dann heute gute viereinhalb Kilometer unterwegs und habe auch gleich noch ein paar Bilder mitgebracht, weil gerade so ein schönes Dezemberlicht war: (Ihr kennt das: Klick ausfs Bild -> Bild gross 🙂 )

Die Soulkitchen-Halle, bekannt geworden durch den Film von Fatih Akin, danach kurzzeitig Eventhalle und Disco, dann von der Stadt wegen angeblicher Baufälligkeit geschlossen und für den Abriss bestimmt, steht nun seit sechs Jahren leer:

Kleine Idylle zwischendurch:

Blick von der Brücke an der Neuhöfer Strasse nach Norden:

und nach Süden – im Hintergrund der Wilhelmsburger Wasserturm:

Und natürlich die „Katzenkocherei“, hier schon mal Thema, eigentlich eine Fettraffinerie und wegen ihrer je nach Windrichtung abgesonderten, absonderlichen Düfte so genannt.
Aber selbst die wirkt in diesem Licht ganz ansehnlich:
Wilhelmsburger Industrieromantik halt 😎

Da ist mir allerdings der Blick von der Fussgängerbrücke auf  Wassersturm und  Wilhelmsburger Krankenhaus schon lieber: Immerhin ist es von da aus nicht mehr weit nach Hause – Fünfhundert Schritte hab ich gezählt …

Und ja, es ging ganz gut so, wenn ich auch meine Zeit für die Strecke gebraucht habe.
Aber das kann jetzt durchaus als Versuch für weitere Fotoexpeditionen in die nähere und weitere Umgebung durchgehen. Allemal, wenn das Licht so ist wie heute. 🙂

Selbstmotivation und Beschäftigungstherapie

Nachdem nun gestern auch die wesentlichen Punkte in Bezug auf meinen Job geklärt worden sind (sobald es geht: Wiedereinstieg über eine Wiedereingliederungsmassnahme, während der dann auch die weiteren Rahmenbedingungen fest gelegt werden), kommt nun die Phase meiner Beingeschichten, die sich erfahrungsgemäss als die am wenigsten einfache erwiesen hat:
Irgendwie muss ich es hin bekommen, regelmässig zu trainieren, damit meine schmerzfreie Gehstrecke grösser wird als die 150 Meter, die immer noch Stand der Dinge sind.

Dabei hat es sich ja auch beim letzten Mal schon als wenig motivierend erwiesen, immer nur im Kreis – und quasi ziellos – um den Block herum zu laufen, im Gegenteil war das eher frustrierend.
Einfacher ging es immer, wenn ich ein konkretes Ziel hatte oder eine nicht alltägliche Umgebung – wie damals in Leipzig, wo ich wirklich viel zu Fuss unterwegs war.
Aber Leipzig und die anderen Orte von Frau Momos Welttournee sind ja zum Glück  nun Geschichte, und so muss eine andere Lösung her:

Dabei bietet es sich  an, dass ich das Notwendige mit dem Nützlichen verbinde und zum Beispiel alle Einkäufe übernehme, die jetzt vor Weihnachten noch anfallen – soweit möglich zu Fuss, wenn ich die Sachen hier auf der Insel bekomme und die Einkäufe nicht all zu schwer sind, sonst halt mit dem Auto und dabei trotzdem bis an die Schmerzgrenze gehen.
Auch zum Doktor werde ich nachher laufen und damit mein heutiges Training absolvieren.

Ein weiteres Trainigsfeld findet sich hier in Haushalt, soweit ich dabei stehen muss.
Beispielweise beim Kochen, Betten machen, Wäsche aufhängen usw. – was auch ein Grund für meine aktuellen Küchenaktivitäten ist und gleichzeitig noch Spass macht. Wie gestern, als ich mal wieder ein altes Rezept aus unserem Küchenstudio „aufgewärmt“ habe:

Chili con Carne

Dafür hab ich nach meiner Rückkehr vom Gespräch in der Firma noch eingekauft und anschliessend eine gute Zeit in der Küche gestanden. Mit wirklich leckerem Ergebnis, dass nun gleich wieder für zwei Tage reicht. 🙂

Trotzdem wird das alles wohl noch nicht reichen.
Ich werde also überlegen müssen, wo sich noch Trainigsfelder finden, die ein „lohnendes“ Ziel bieten und genug Motivation um mit dem Hintern aus dem Sessel zu kommen.
Zum Glück habe ich ja dieses Mal ein Auto zur Verfügung, so dass ich bei der Auswahl meiner Ziele nicht nur auf unsere Insel beschränkt bin, sondern auch andere Orte ansteuern kann, die mir dann als Trainingsbasis dienen können…..

Für irgendwas muss es ja gut sein

Vorhin – im Parkhaus beim Biomarkt – sind wir über ein Schild gestolpert, dass wir beide in der Form auch zum ersten Mal gesehen haben:Reservierte extra breite Parkpplätze für ältere Menschen wie mich, nicht allzu weit von den Aufzügen entfernt.
Sicher ein gut gemeintes Angebot und durchaus der Nachahmung wert, so sich denn die anderen Autofahrer daran halten.

Aber dabei dürfte wohl ein ähnliches Problem auftauchen wie mit Mutter-Kind-Parkplätzen, denn solche breiten Parkbuchten sind ja immer ein gefundenes Fressen für die Fahrer extra breiter SUVs, denen sonst ein Verlassen ihrer Fahrzeuge kaum möglich ist, weil die Aussenmasse grösser sind als die Abmessungen der üblichen Stellflächen in Parkhäusern (wie wir auch vorhin beobachten konnten).

Trotzdem:
Ein nettes Angebot der Parkhausbetreiber – das auf alle Fälle 🙂

Das neue Vierzig?

„Sechzig ist das neue Vierzig“

Auch so ein Slogan, der in der letzten Zeit des öfteren mal zu lesen war.
Und endlich kann ich mir selbst ein Urteil erlauben, ob der wirklich stimmt.

Wobei ich selbstkritisch vermerken muss, dass ich mich trotz meiner altersbedingten Zipperlein und diverser Ersatzteile – die mir das Leben erleichtern – nicht so fühle wie Menschen, die ich als Sechzigjährige vor Augen habe aus meiner Kindheit,   meiner Jugend oder meinem Leben als Zwanzig- oder Dreissigjähriger…
Die kamen mir nämlich damals wahnsinnig alt vor, nicht nur vom körperlichen Aspekt, sondern auch in ihrem ganzen Habitus – der Rente näher als der Lehre, altmodisch sowohl in der Kleidung als auch ihren Ansichten.
Gut, auch meine Rente ist jetzt in greifbarer Nähe, vielleicht sogar schneller, als ich damit gerechnet habe.
Aber so alt fühle ich mich deswegen trotzdem nicht.

Dennoch bin ich heute ein anderer, als ich mit Vierzig oder Fünfzig war. Und das nicht nur, weil sich die Umstände meines Lebens seither geändert haben.
Der Unterschied, so wie ich ihn selbst bemerke, liegt vor allem in den Erfahrungen, die ich in der Zwischenzeit gemacht und in der Gelassenheit, die ich dadurch gewonnen habe.

Immer öfter kommt mir der Gedanke, das mein Leben gut ist, so wie es ist.
Mit meiner Liebsten, den Fellnasen und in der kleinen Welt, in der ich lebe und mich regelmässig bewege.
Also kein „Sturm und Drang“ mehr, kein Wunsch mit dem Kopf durch die Wand zu laufen, um an Ziele zu gelangen, die sich bei näherer Betrachtung dann doch nicht als lohnenswert erweisen.
Ich muss auch nicht mehr jeder Mode und jedem Trend hinterher laufen, weil ich zufriedener geworden bin ist dem, was ist und mit dem, was ich habe.
Und das ist gut so!

Wenn das „alt“ ist, dann bin ich gerne „alt“.
Denn das ist eine Qualität des Lebens, die mir mit Vierzig oder Fünfzig noch völlig abgegangen ist und auf die ich ungerne verzichten würde.
Dafür nehme ich Zipperlein und Ersatzteile gerne in Kauf – falls die der Preis dafür sind. Ein billiger Preis im Übrigen, wie ich finde….

Was nun nicht heisst, dass ich keine Ziele oder Wünsche mehr habe.
Im Gegenteil, die gibt es durchaus, wenn auch weniger materieller Natur und etwas realistischer als früher.

Bis auf ein Ziel vielleicht, das noch weit in der Zukunft liegt:
Alt zu werden zusammen mit meiner Liebsten – so alt, dass wir irgendwann zusammen  so glücklich an der Elbe sitzend die Abendsonne geniessen können wie dieses Paar:
Und vielleicht auch noch so alt, das wir zusammen die goldene Hochzeit feiern werden….

Nur Eins weise ich weit von mir:

Altmodisch fühle ich mich nicht, selbst wenn meine Kleidung sicher nicht mehr dem neusten Trend entspricht und sich in meinen Ansichten manches finden lässt, das man als „Produkt meiner Erziehung“(oder meiner Erfahrungen?) bezeichnen könnte. Das mag aus Sicht einer jüngeren Generation zwar reichlich „Retro“ (Danke meiner Geliebten für  dieses Stichwort) sein, aber warum sollte ich daran etwas ändern, wenn es sich als gut und richtig für mich erweisen hat?

Aber gut.
Wie  war nochmal die These aus dem ersten Satz?

„…..Das neue Vierzig?“

Nein, das kann ich wohl nicht unterschreiben. Dieser Satz drückt mir einfach zu viel Unzufriedenheit aus. Warum sollte ich etwas hinterherlaufen, was meine Vergangenheit ist?
Ich würde wirklich nicht nochmal Vierzig sein wollen angesichts dessen, was ich seither gelernt und an Erfahrungen gesammelt habe. Da war zwar auch viel schönes dabei, aber manche Dinge aus dieser Zeit muss ich einfach nicht nochmal haben.

Deshalb lautet mein Fazit auch eher so:

„Ich  bin Sechzig und das ist gut so!“

In diesem Sinne also:

Dann packe ich eben wieder aus :-(

Heute dauerte es ziemlich lange, bis der erwartete Anruf aus dem Krankenhaus kam.

Leider nicht mit dem Ergebnis, dass ich mir erhofft  – und erwartet hatte.
Denn der Arzt teilte mir mit, dass es wohl keine Chance auf die Infusionstherapie gibt, weil die von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt wird. Jedenfalls nicht , wenn noch etwas Lauffähigkeit  vorhanden ist – wie bei mir.
Auch eine gezielte Nachfrage bei meiner Krankenkasse habe wohl nur ergeben, dass die keine Ausnahme machen würden.

Das ist schade, aber  nun mal nicht zu ändern.

Dann bleibt jetzt nur noch der konventionelle Weg mit Laufübungen unter Schmerztherapie.
Und meinen – schon seit letzter Woche – gepackten Rucksack kann ich auch wieder auspacken.

Bleibt der Trost, dass ich jetzt wenigstens in meinem eigenen Bett schlafen kann….

Was zu erwarten war:

Nach der Ultraschall-Untersuchung in der letzten Woche war ja gestern der Termin für das CT, mit dem meinen Beinproblemen noch tiefer auf den Grund gegangen werden sollte.

Um es gleich vorweg zu nehmen:
Gravierend neue Erkenntnisse hat die Untersuchung auch nicht gebracht, aber  doch die Sicherheit, dass da jetzt nicht noch mehr ist als ein verstopfter Bypass im Knie.
Alles oberhalb der Kniee ist quasi ohne Befund, denn bis auf ein paar Kalkablagerungen findet sich nichts weiter aufregendes in meinen Arterien.

Sehr beruhigend also!
Denn mit der Erkenntnis kann ich leben.
Zwar ist es  gerade nicht so furchtbar prickelnd, dass ich lauftechnisch so eingeschränkt bin, aber zumindest weiss ich jetzt genauer, wie die Geschichte weiter gehen wird:

Wahrscheinlich nächste Woche gehts ins Krankenhaus für eine Serie Prostaglandin-Infusionen zur Gefässerweiterung und dann heisst es laufen, laufen, laufen, um die Kollateralarterien für ihre neuen  Aufgaben zu trainieren – nämlich das Blut an Unterschenkel und Fuss zu liefern, das durch den verstopften Bypass da nicht mehr hin gelangt.
Und zuhause geht es mit dem Laufenüben natürlich weiter, damit ich günstigstenfalls das gleiche Ergebnis erreiche, das diese Therapie auch auf der rechten Seite schon gebracht hat.

Damit könnte ich dann sogar wieder arbeiten, wenn meine regelmässige Laufstrecke wieder bei 400-500 Metern ohne Schmerzen liegt.
Ein Ziel, das durchaus realistisch ist und wohl lediglich eine Frage der Zeit und meiner Motivation, den Hintern vom Sofa zu kriegen.Im Übrigen versuche ich auch jetzt schon, jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu laufen, damit ich den Prozess schon mal anstosse.
Mit entsprechend Schmerzmitteln geht das.

Die Alternative, nämlich einen neuen Bypass zu legen, hat sich gestern quasi von selbst erledigt, als sich herausgestellt hat, dass damit nur einer der drei Arterienäste im Unterschenkel versorgt werden könnte und so das Risiko grösserer Schäden deutlich steigt, falls dieser dann auch wieder zu gehen sollte – von den OP-Riskien mal ganz abgesehen.

Das muss ich beides nicht haben.

Gedreht und gewendet

Der Blick aus dem Küchenfenster lässt eigentlich nur eine Feststellung zu: Es ist Badewannenwetter!

Womit wir mal wieder bei einem Problem sind, an dem sich auch in sechs Jahren nichts geändert hat:Ich bin zu lang – oder die Wanne zu kurz!
Egal, wie man es auch dreht und wendet – so passt das nicht.
Entweder die Beine liegen im Warmen, dann sind die Schultern und Oberarme kalt – oder es ist umgekehrt und die Knie frieren.
So kann es einfach nichts werden mit dem Badevergnügen…

Schade, es hätte mir so gut gefallen, mal eine Runde im warmen Wasser zu liegen.
Bleibt also wieder nur die Dusche, um mich aufzuwärmen..

Der Stand der Dinge

Gestern Morgen war ich nochmal bei meinem Hausarzt, um mir die Einweisung für die Untersuchung am Mittwoch zu holen und meinen gelben Zettel verlängern zu lassen.
Gleichzeitig haben der Doktor und ich auch nochmal überlegt, was sich aus der aktuellen Situation ergibt – mit dem Ergebnis, dass auch er – Stand gestern – eher von einem erneuten Bypass abrät, nachdem er sich nochmal die alten Befunden angesehen hat.
Das Risiko, sei bei „meinen Verhältnissen“ einfach zu gross, das der sich in kurzer Zeit wieder zusetzen könnte:

„Damit vertagen sie das Problem allenfalls ein, zwei Jahre nach hinten – und dann?“

Deshalb werde ich auch nach dem CT noch einmal zu ihm gehen, um mich beraten zu lassen, wenn auch mit Bildern genau belegt ist, wie die „Verhältnisse“ in meinem Bein sich darstellen. Da kann eine zweite Meinung einfach nicht schaden, auch wenn mein Doc kein Gefäss-Spezialist ist.

Krank geschrieben hat er mich gleich für sechs Wochen, bis zum 15. Januar: So hab ich an der Front erst mal Ruhe, auch wenn das Gespräch mit meiner Chefin noch aussteht. Dafür werde ich nächste Woche einen Termin machen, wenn klar ist, was der CT-Befund ergeben hat und wie das weitere Procedere aussieht….

Schneller laufen

Nein, ich hadere nicht mit dem, was da gerade mit mir passiert.

Auch nicht, wenn das, was nun vor mir liegt wieder mit einer Menge Unwägbarkeiten verbunden ist, die möglicherweise am Ende eine ganz andere Richtung vorgeben als die, die ich mir / wir uns eigentlich vorgestellt hatten.
Aber das werden wir erst in ein paar Monaten wissen, wenn sich zeigt, wie weit ich mit meinen Gehübungen komme.
Im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne.

Deshalb ist es auch müssig, sich jetzt schon Gedanken um das zu machen, was dann sein könnte.
Arbeitsfähig oder nicht, Job behalten oder nicht, Arbeitslosigkeit, Rente, Grad der Behinderung, sinnvolle Beschäftigung, wenn es mit Arbeiten nicht mehr geht?
Fragen, auf die es im Augenblick keine Antwort gibt, die aber trotzdem im Hintergrund wabern und mich  – zugegeben –  auch mitten in der Nacht aus dem Bett treiben,  obwohl ich genau weiss, dass ich dafür gerade keine Lösungen finden kann.
Immerhin  erwachsen aus diesen Fragen erst mal keine wirtschaftlichen Probleme, auch wenn sich natürlich einige Einbussen ergäben wenn ich nicht mehr arbeiten könnte. Trotzdem hätten wir unser Auskommen.
Und das ist schon mal gut zu wissen.
Alles andere wird sich finden – muss sich finden, wenn es soweit ist.

Geduld ist also gefragt, bevor neue Pläne gemacht werden können. Mehr nicht.
Abwarten und Tee trinken – und natürlich laufen, soviel ich schaffe.
Bis an die Grenze des Schmerzes und darüber hinaus.
Wieder lernen, sich nur auf den nächsten Schritt zu konzentrieren.
Auch das im wörtlichen und übertragenen Sinne.

Denn wenn ich unterwegs bin, so wie gestern beim Einkaufen, kommt unweigerlich irgendwann der Punkt, wo es erst mal nicht mehr weiter geht, eine Pause nötig ist, ein Kräfte sammeln, bevor ich weiter laufen kann. Und auch der Ärger über meine Beine, die nicht das machen wollen, was mein Kopf möchte, die mich hindern, an das Ziel zu kommen, das ich vor Augen habe.
Aber der Ärger bringt mich auch keinen Schritt weiter, das habe ich schon vor drei Jahren gelernt, als es ja genau so war.
Richtig voran ging es damals erst , als angefangen habe, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, als ich akzeptieren konnte, dass Langsamkeit mein neues Tempo ist, egal, wie schnell die Welt um mich herum sich dreht:

„Schneller laufen als meine Beine mich tragen geht halt nicht.
Punkt.“

Das hatte ich fast vergessen in den letzten Monaten, in denen ich einfach mitgelaufen bin, als das Hamsterrad sich immer schneller drehte.
Nicht dass ich denke, dass es daran nun liegt, dass jetzt dieser Rückschlag kam.
Nein, das Hamsterrad ist wohl nicht Schuld, sondern  eher ich selbst, der ich nicht rechtzeitig die Signale ernst genommen habe, die mein Körper mir gegeben hat.
Wobei ich nicht denke, dass damit zu verhindern gewesen wäre, dass  der Bypass sich zu setzt. Das wäre wohl so oder so passiert.
Nur vielleicht etwas später.
Oder es wäre eher bemerkt worden.

Aber egal.
Es ist wie es ist!

Um es mit Tolkien zu sagen:

Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach,
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Also schaunmermal, was die nächsten Tage und Wochen so bringen – angefangen mit dem CT-Termin am nächsten Mittwoch, der die vorgestrige Diagnose noch  vertiefen wird und weiter mit dem stationären Aufenthalt im Krankenhaus, der in der Woche darauf folgen wird.
Dann wird sich vielleicht zeigen, wie es weiter geht…. ein wenig…