„In unserer Verwandtschaft …“

„… machen sich Verfallserscheinungen bemerkbar, die man eine Zeitlang stillschweigend zu übergehen sich bemühte, deren Gefahr ins Auge zu blicken man nun aber entschlossen ist. Noch wage ich nicht, das Wort Zusammenbruch anzuwenden, aber die beunruhigenden Tatsachen häufen sich derart, daß sie eine Gefahr bedeuten und mich zwingen, von Dingen zu berichten, die den Ohren der Zeitgenossen zwar befremdlich klingen werden, deren Realität aber niemand bestreiten kann.“

War es im letzten Jahr Erich Kästner, der mich um Weihnachten herum begleitet hat, so wird es dieses Jahr wohl Heinrich Böll sein, den es wieder zu entdecken gilt. Einiges von ihm hab ich ja zu Schulzeiten schon mal gelesen, aber danach lange nicht mehr in der Hand gehabt – was ein guter Grund ist, sich noch mal mit ein paar ausgewählten Werken dieses Schriftstellers zu beschäftigen.

Und was passt da besser, als – der Jahreszeit angemessen  – zum Einstieg eine kurze Erzählung zu wählen, die wohl mit zu seinen bekanntesten satririschen Geschichten zählt:

Nicht nur zu  Weihnachtszeit,

eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art.

Der Klappentext:

„Mit „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ nimmt Heinrich Böll die restaurativen Tendenzen im Nachkriegsdeutschland satirisch aufs Korn. Im Mittelpunkt steht Tante Milla, Ehefrau des Onkels des Erzählers, die das Weihnachtsfest im ersten Nachkriegsjahr endlich wieder so feiern möchte wie vor dem Krieg. Leider verfällt sie daraufhin in den Wahn, fortan sei jeden Tag pünktlich um 18.30 Uhr Heiligabend, und hält daran über zwei Jahre fest.“

Witzig allemal, werde ich dieses Büchlein mit seinen gerade mal 88 Druckseiten wohl in kurzer Zeit durchgelesen haben, was aber auch nicht schlimm ist – kann ich mich doch so gleich wieder ganz gut an Böll’s Schreibstil gewöhnen….

„Heute Vormittag bin ich …

„… über die abgeernteten Felder zur Kirche von Klabow gelaufen, die Hotelbesitzer haben den alten Holzengel mit dem pausbäckigen Gesicht restaurieren lassen, und ich wollte ihn mir ansehen. Emma hat immer behauptet, so wie der Engel hätten ihre Kinder ausgesehen, als sie klein waren. Der abblätternde Goldanstrich ist entfernt worden, die Holzfigur hat ihre Bemalung mit Pflanzenfarben zurückbekommen. Die Wurmlöcher hat der Restaurator versiegelt, nun sieht der Engel aus, wie er vor zweihundert Jahren ausgesehen haben mag, dick und rotbäckig, vergnügt auf den ersten Blick, aber dann sieht man die aufgerissenen Augen, den wie zum Schrei geöffneten kleinen Mund und fragt sich: Was hat der Engel gesehen? Was ist ihm geschehen?“

Dieses Buch liegt schon länger auf meinem „Lesestapel“, und nun ist wohl die Zeit, damit  zu beginnen, zumal es recht gut in den Kontext der Geschichten passt, die ich zuletzt gelesen habe:

Machandel,

der Erstlingsroman von Regina Scheer, ebenfalls im ländlichen Umfeld spielend, wenn auch diesmal im Mecklenburg zu Zeiten der DDR.
Der Klappentext ist schon mal viel versprechend und so bin ich gespannt, wie sich dieses Buch lesen wird:

„Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Roman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.“

Ich werde berichten….


Mein Fazit:

Ein absolut lesenswertes Buch, spannend bis zum Ende.
Und sicher ein Anlass, auch das nächste Buch der Autorin zu lesen, das im März nächsten Jahres erscheint.

„In manchen Nächten, wenn der Sturm von Westen kam,…“

„… stöhnte das Haus wie ein Schiff, das in schwerer See hin- und hergeworfen wurde. Kreischend verbissen sich die Böen in den alten Mauern.
So klingen Hexen, wenn sie brennen, dachte Vera, oder Kinder, wenn sie sich die Finger klemmen.
Das Haus stöhnte, aber es würde nicht sinken. Das struppige Dach saß immer noch fest auf seinen Balken. Grüne Moosnester wucherten im Reet, nur am First war es durchgesackt.“

Logisch, dass ich mein letztes Buch geradezu verschlungen habe. Und genau so logisch, dass ich nun das Erstlingswerk von Dörte Hansen  auch noch einmal lese:

Altes Land

Viel schreiben brauche ich dazu wohl nicht, denn viele von Euch dürften das Buch auch schon gelesen haben.
Deshalb hier einfach noch mal der Klappentext:

„Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.“

Und ergänzend aus einer Rezension des NDR, die eigentlich alles sagt, was es über dieses Buch zu sagen gibt:

„Dieser Roman ist wohltuend anders. Keine Romantik. Klischeefrei. Starke, knorrige Charaktere. Eine Geschichte, die lange nachklingt, wie das Ächzen und Knarren in dem großen dunklen Bauernhaus“

Dem muss ich also nichts hinzufügen 🙂

„Der erste Sommer ohne Störche war ein Zeichen, ….

„… und als im Herbst die Stichlinge mit weißen Bäuchen in der Mergelkuhle trieben, war auch das ein Zeichen. »De Welt geiht ünner«, sagte Marret Feddersen und sah die Zeichen überall.
Die alten Ulmen starben einen Sommer später, am Westerende, wo sie seit hundert Jahren Ast in Ast gestanden hatten. Ihre Blätter wurden plötzlich gelb, die Kronen kahl, im Juni schon. Sie standen noch ein Jahr wie abgedankte Könige.“

Ein melancholischer Anfang im neuen Buch von Dörte Hansen, das ich sehnsüchtig erwartet habe, nachdem ich seinerzeit mit Begeisterung ihr Erstlingswerk „Altes Land“ gelesen habe (und sicher bald nochmal wieder lesen werde).
Diese Melancholie zieht sich auch durch die ersten Kapitel, in denen die Autorin  in Rückblenden liebevoll mit stark gezeichneten Figuren aus einer Welt erzählt, die lange untergegangen ist – im Wechsel mit einem Blick auf das „Jetzt“, das um einiges grauer erscheint als das „Damals“

Der Klappentext tut da noch ein Übriges um die Vorfreude  auf diesen Lesegenuss zu steigern:

„Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.“

Ers wird also sicher noch spannend werden in diesem Buch, das mich jetzt, nach vier gelesenen Kapiteln schon sehr begeistert….

„Mein Arbeitsplatz hat sich in Rauch aufgelöst.“

„Überall liegenGlassplitter und Schutt auf dem Boden. Rasen und Büsche sind ergraut. Es riecht nach Asche. Ich blicke zu den Nachbarvillen mit ihren bunten Gärten. Nebenan ist alles wie immer. Dann schaue ich erneut auf die verheerte Stelle. Die Farben dort sind gestorben.
Es passierte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Heute ist Dienstag, und ich bin froh, dass weder Nella Schmitts, die Frau des Hausmeisters, noch ihr Mann da sind. Das Dienstbotenhäuschen der Schmitts ist wie durch ein Wunder unversehrt geblieben.“

Etwas unentschlossen darüber, was ich nun als nächstes lesen könne, habe ich mich mal durch die Sonderangebotsecken eines grossen Onlinebuchhändlers gewühlt und dabei einen Krimi gefunden, der mich alleine aufgrund seines Titels direkt angesprungen hat – was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn man meine Profession kennt:

Der Pflegefall

von Olivia Monti.

Da auch der Klappentext „passte“, hab ich mal angefangen zu lesen  und es bisher nicht bereut – im Gegenteil:

„Anna Zerbst tritt eine Stelle als Pflegerin an. Sie soll den alten Herrn Brunt betreuen. In der Villa Brunt herrscht von Anfang an eine beklemmende Stimmung. Herr Brunt selbst ist schwer zu ertragen. Er ist mürrisch, greift die Menschen in seiner Umgebung an, beleidigt sie. Anna findet heraus, dass ihn nicht nur Altersbeschwerden, Hilflosigkeit und das lange Warten auf den Tod erbittern, Brunt war immer schon ein problematischer Charakter und in seiner Vergangenheit liegt so einiges im Argen. Das Hausmeisterehepaar, Nella und Markus Schmitts, erzählen Anna schließlich, dass sich Brunt an ihrer behinderten minderjährigen Tochter vergangen hat und er seinen einzigen Sohn, Tobias, ständig quälte. Auch soll es beim Tod von Tobias Mutter nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Herr Brunt hingegen erzählt eine ganz andere Geschichte. Als Anna mitbekommt, dass Nella, Markus und Tobias den alten Herrn schleichend vergiften, ringt sie mit sich, ob sie zur Polizei gehen soll. Hat es ein Monstrum nicht verdient, vergiftet zu weden? Wenn nun aber Herr Brunt doch kein Monstrum ist? Wem soll sie nur glauben?“

Das Buch ist wirklich gut zu lesen, subtil in der Handlung, und als Leser weiss ich an keiner Stelle mehr als die Hauptperson, die nach und nach die Geheimnisse des Hauses Brunt aufdeckt und immer wieder neu auf völlig unerwartete Wendungen stösst….

Also werde ich es sicherlich zu Ende lesen, auch wenn ich sonst in meiner Freizeit mit „Fachliteratur“ wenig am Hut habe. Schliesslich will ich ja wissen, wie die Geschichte ausgeht 🙂

„Mien Mudder hett mi lang stillt, …“

„… aver ok nich so lang, as se in uns Dörp vertellt.
Dar gifft dat nämlich dat Gerücht, dat mien  Mudder in de grote Paus jümmer in de Stolper Grundschool komen is, üm mi de Bost to geven.
Dat stimmt aver nich.
Nich mol dat stimmt, un manche Lüüd vertellt sogor, Mudder weer noch nah Plön föhrt, üm mi to foddern, as ik al int Gymnasium weer.
Aver dat is Quatsch, quatscher as Quatsch.“

Eigentlich kann ich ja kein Plattdeutsch, zumindest nicht sprechen oder schreiben. Deshalb war ich um so erstaunter, als ich neulich irgendwo im Fernsehen einen Beitrag über Matthias Stührwoldt sah, seines Zeichens Bauer, Autor und Geschichtenerzähler,  dass ich auf Anhieb verstehen konnte, was er auf Platt aus einem Leben erzählt hat.  Und da mich seine Art des Erzählens sofort fasziniert hat, habe ich mir mal eines seiner Bücher besorgt:

Lever he as ik!

Kurzgeschichten, mal nachdenklich, mal heiter, geschrieben auf Platt und immer mit einem Schmunzeln im Knopfloch, also wirklich unterhaltsam und gut geeignet, zwischendurch gelesen zu werden, wenn mal gerade fünf Minuten Zeit sind.
Dabei selbst für mich als Plattdeutschlegastheniker gut zu verstehen.
Also genau richtig für zwischendurch!

Der Klappentext – kurz, knapp und durchaus zutreffend:

„Matthias Stührwoldt ist einer, der zupackt und nicht lange sinniert, wie er unter der Last des Alltags leiden könnte. Und genauso schnitzt er selbstironisch seine plattdeutschen Geschichten aus dem bäuerlichen Alltag und hat dabei doch immer die ganze Welt auf dem Kieker. Hier schreibt einer, der den Eindruck macht, als wäre er mit sich und der Welt im Reinen – jedenfalls im kleinen Ganzen!“

„Ich bin Max Schulz, …..“

„….. unehelicher, wenn auch rein arischer Sohn der Minna Schulz … zur Zeit meiner Geburt Dienstmädchen im Hause des jüdischen Pelzhändlers Abramowitz. An meiner rein arischen Herkunft ist nicht zu zweifeln, da der Stammbaum meiner Mutter, also der Minna Schulz, zwar nicht bis zur Schlacht im Teutoburger Walde, aber immerhin bis zu Friedrich dem Großen verfolgt werden kann. Wer mein Vater war, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, aber er war bestimmt einer von den fünfen: der Fleischer Hubert Nagler, der Schlossermeister Franz Heinrich Wieland, der Maurergehilfe Hans Huber, der Kutscher Wilhelm Hopfenstange oder der Hausdiener Adalbert Hennemann.“

Wenn ich auch nicht zu viel anderem gekommen bin in dieser Woche, so doch wenigstens dazu, im neuen Buch auf  meinem Reader schon fast die Hälfte geschafft zu haben.
Wobei es dieses Mal wirklich der Klappentext war, der mich dazu verleitet hat, das Buch zu beginnen. Wenn schon der grosse Heinrich Böll so voll des Lobes ist, dann kann

Der Nazi & der Friseur

von Edgar Hilsenrath ja nicht so ganz verkehrt sein:

»Ich bin Max Schulz, unehelicher, wenn auch rein arischer Sohn der Minna Schulz …« So beginnt Edgar Hilsenraths berühmter Roman über den SS-Mann und Massenmörder, der nach dem Krieg in die Rolle seines Opfers Itzig Finkelstein schlüpft, mit einem Sack voll Goldzähnen auf dem Berliner Schwarzmarkt Geld macht, schließlich auswandert und ein angesehener Bürger und Friseursalonbesitzer in Tel Aviv wird.
»Dieses heikle, waghalsige Unternehmen spricht für den Autor, seine Sprache, die wild wuchert und doch oft genug trifft, eine düstere und auch eine stille Poesie entfaltet.« (Heinrich Böll)

Und ich muss sagen, Böll hatte Recht.
Das Buch ist wirklich lesenswert mit seiner teils grotesken Handlung, in der Edgar Hilsenrath auch viele Wahrheiten über den Holocaust verarbeitet hat, von dem er ja auch selbst betroffen war.
Und ich finde es gut, wie er seinen Protagonisten zeichnet, der in dem Buch gleichzeitig Scheusal  und auch Mensch ist – ein Mensch allerdings, der unfähig bleibt, die Grausamkeit seines eigenen Handelns zu reflektieren…..

„In den Himmel über der Terrasse …“

„…. blase ichZigarettenrauch. Ein Sekundenbruchteil hat sich angefühlt wie die Ewigkeit, und es ist, als stünde ich hier seit Langem. Wie ein Wachwerden, ohne geschlafen zu haben. Warum bin ich geworden, wie ich nicht sein will?

Der Polizist fragt am Telefon, ob ich die Tochter sei von Adele Hirsch und ob meine Mutter gern Schnaps getrunken habe. Gestern Nacht habe sie nämlich beim Abbiegen einen Seitenspiegel mitgenommen, sagt er zögernd, als hätte er die Straftat selbst begangen. Zu Hause habe sie der Polizei mit einem Glas Weinbrand in der Hand die Tür geöffnet. Der Beamte holt tief Luft. »Die Kollegen mussten sie mitnehmen, aufs Revier«, und macht eine Pause, »zum Blutabnehmen«, sagt er so langsam und nachdrücklich, dass ich misstrauisch werde. Meine Mutter sei aufgeregt gewesen. Im Auto habe sie nach Luft geschnappt. Auf der Wache sei sie seinem Kollegen in die Arme gefallen und gestorben.“

Nun bin ich doch wieder im Fluss, was das Lesen angeht , und was liegt da näher , als mich mit einem Buch zu beschäftigen, das gerade frisch erschienen ist und auf der Longlist der Nominierungen für den Deutschen Buchpreis stand.
Zumal, wenn es gleich zwei Bereiche abdeckt, die mich immer wieder beschäftigen:
Es ist biografisch und beschäftigt sich im weitesten Sinne auch mit einer Spurensuche in der eigenen Vergangenheit.

Der Klappentext:

„Wer sich mit Familie Hirsch einlässt, darf nicht empfindlich sein und empfindlich war Tamara wirklich nie. Doch nun sind ihre Eltern tot und Tamara Hirsch reißt Wände nieder in diesem alten Haus im märkischen Sand, in dem ihre Familie nach der Verfolgung durch die Nazis wieder ihren Mittelpunkt fand. Eindrücklich, poetisch und kraftvoll erzählt Franziska Hauser die Lebensgeschichte der bezaubernd eigensinnigen Tamara Hirsch – erzählt damit die Geschichte ihrer eigenen Familie, eine Geschichte aus politischen und persönlichen Fallstricken, bis dem Leser die Luft wegbleibt.“

Ob mir die Luft wegbleibt, dass wird sich dann noch zeigen, aber auf jeden Fall  ist

Die Gewitterschwimmerin

ein Buch, dass ich ich gerne lesen werde, denn der Schreibstil von Franziska Hauser hat mir beim Anlesen des ersten Kapitels auf Anhieb gut gefallen und wirklich Lust auf die Geschichte der Familie Hirsch gemacht….

Und das ist mehr, als man von manchem anderen Buch behaupten kann.


Mein Fazit:

Die Nominierung hat das Buch zu Recht verdient, denn  es ist schon spannend,  die in viele Rückblenden verpackte Geschichte zu erlesen, deren Faden immer stärker wird und immer klarer hervortritt, je weiter man lesend fortgeschritten ist.
Manches Ereignis kann man zwar  vorher erahnen, aber es bleibt immer spannend, ob diese Ahnung so zutrifft.

So gesehen: ein lesenswertes Buch!

„Die North King durchpflügt …

„… das schlammige Wasser der Flussmündung. Seit dem Morgengrauen haben die Passagiere auf dem Deck den Horizont abgesucht, und jetzt, da die Kräne der Schiffswerften und die rote Linie der Hafenlager aus dem Nebel auftauchen, stimmen die Deutschen ein Soldatenlied an, die Italiener bekreuzigen sich und die Juden beten, Paare küssen einander trotz des Nieselregens, der Ozeandampfer erreicht Buenos Aires nach dreiwöchiger Überfahrt. Allein an der Reling: Helmut Gregor, in Gedanken versunken.“

Gestern schrieb ich noch darüber, dass mir die Lust am Lesen gerade etwas abhhanden gekommen ist. Aber so schnell können sich die Dinge ändern.
Insbeondere, wenn ich  – eher zufällig – über einen Buchtitel stolpere, der mich direkt anspringt. Wie dieser hier:

Das Verschwinden des Josef Mengele

von Oliver Guez. Wenn dann noch dazu der Klappentext unterhaltsames Lesen verspricht, ist eigentlich alles gut – und das tut er in diesem Fall, zuaml es sich ja bei dem Protagonisten des Romanes – Josef Mengele – umd eine durch ihre Verbrechen als SS-Lagerarzt in Auschwitz bekannte Figur der Zeitgeschichte handelt, der es unter misteriösen Umständen gelang, sich jeglicher Strafverfolgung zu entziehen:

„1949 flüchtet Josef Mengele, der Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. Dreißig Jahre lang lebt er in Südamerika, unterstützt von Sympathisanten vor Ort und seiner Familie in Günzburg. Olivier Guez, der das preisgekrönte Drehbuch zu »Der Staat gegen Fritz Bauer« schrieb, inszeniert in seinem Tatsachenroman Mengeles jahrzehntelange Flucht, spürt die Helfer und Verfolger auf und konfrontiert uns mit der Inkarnation des Bösen. Es ist das fesselnde Portrait einer fanatischen Bestie, das uns eindringlich vor Augen führt, warum deren Verfolgung so kläglich scheiterte.“

Misteriös, aber wohl inzwischen geklärt, wie man auf Wikipedia nachlesen kann. Und trotzdem ein spannendes Thema, das wieder mal ein bisschen in die Richtung biographischer Romane geht, wie ich sie gerne lese.
Und genau deshalb habe ich gestern dieses Buch angefangen und schon einige Kapitel gelesen, die packend geschrieben waren und eine ganz neue Perspektive auf den Protagonisten eröffnen.


Mein Fazit:

Was für eine armselige Gestalt, dieser Joseph Mengele!
Unfähig, die bittere Wahrheit hinter seinem Handeln zu erkennen undzu verblendet, dafür die Verantwortung zu übernehmen. So skizziert der Autor ihn und zeichnet damit das Bild eines Menschen, der fast alles Menschliche verloren hat und sich im hohen Alter in Wahnvorstellungen und Depressionen flüchtet, weil er die Liebe der Menschen verloren hat.

Lesenwert war das Buch trotzdem, weil gut recherchiert und ausgesprochen kritisch, ja schonunglos, mit seinem Protagonisten umgehend…. was aber trotzdem für mich kein Anlass wäre, es noch einmal zu lesen.
Dazu ist die Thematik des Buches einfach zu …. unappetitlich.

„Man möchte meinen ….

„… er hätte seine Entscheidung etwas früher treffen und seine Umgebung netterweise auch davon in Kenntnis setzen können. Aber Allan Karlsson war noch nie ein großer Grübler gewesen.
Entsprechend war der Einfall auch noch ganz frisch, als der alte Mann sein Fenster im Erdgeschoss des Altersheims von Malmköping, Sörmland, öffnete und in die Rabatte kletterte.“

Nach Ove nun also Allan.
Allan Karlsson, um genau zu sein, ebenfalls ein Mann mit Ecken und Kanten, ein Mann, der seine eigenen Wege geht und an seinem hundertsten Geburtstag beschliesst, dass der Rest seines Lebens nicht nur daraus bestehen kann, im Altenheim zu sitzen und auf den Tod zu warten. Woraus sich eine abenteuerliche Geschichte voller Überraschungen entwickelt, liebevoll erzählt von Jonas Jonasson, einem schwedischen Autor:

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Klappentext:

„Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch während sich der Bürgermeister und die lokale Presse auf das große Spektakel vorbereiten, hat der Hundertjährige ganz andere Pläne: er verschwindet einfach – und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht auf dem Kopf. Doch mit solchen Dingen hat Allan seine Erfahrung, er hat schließlich in jungen Jahren die ganze Welt durcheinander gebracht.

Jonas Jonasson erzählt in seinem Bestseller von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war……
…. Voll von herrlich trockenem Humor, liebenswürdigen Charakteren und einer erfrischenden Story wurde dieses Buch nicht umsonst innerhalb kurzer Zeit zum Bestseller.“


Eigentlich schade, dass ich dieses bisher Buch noch nicht gelesen habe, denn – soviel kann ich nach den ersten 5 Kapiteln schon sagen – es ist eine Geschichte, die mich als Leser wirklich in sich hinein zieht. Dabei hätte ich es wohl nie angefangen, wenn nicht genau wie bei Ove vor ein paar Wochen die Verfilmung im Fernsehen gelaufen wäre.

Aber spät ist ja nicht zu spät.

Deshalb freue ich mich auch schon auf die Fortsetzung, die in ein paar Wochen erscheinen wird.


Mein Fazit:

So gut mir das Buch anfangs auch gefallen hat, zum Ende hin wurde es dann doch etwas zäh, so dass ich die letzten zwei Kapitel eigentlich nur noch gelesen habe, um endlich damit fertig zu werden.
Was aber möglicherweise auch ein wenig daran lag, dass ich aus unterschiedlichen Gründen in den letzten Wochen nicht wirklich die Zeit und Ruhe zum Lesen hatte.

Dehalb werde ich die Fortsetzung wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt lesen und mich zumächst mal auf andere Themen konzentrieren.