Schneller laufen

Nein, ich hadere nicht mit dem, was da gerade mit mir passiert.

Auch nicht, wenn das, was nun vor mir liegt wieder mit einer Menge Unwägbarkeiten verbunden ist, die möglicherweise am Ende eine ganz andere Richtung vorgeben als die, die ich mir / wir uns eigentlich vorgestellt hatten.
Aber das werden wir erst in ein paar Monaten wissen, wenn sich zeigt, wie weit ich mit meinen Gehübungen komme.
Im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne.

Deshalb ist es auch müssig, sich jetzt schon Gedanken um das zu machen, was dann sein könnte.
Arbeitsfähig oder nicht, Job behalten oder nicht, Arbeitslosigkeit, Rente, Grad der Behinderung, sinnvolle Beschäftigung, wenn es mit Arbeiten nicht mehr geht?
Fragen, auf die es im Augenblick keine Antwort gibt, die aber trotzdem im Hintergrund wabern und mich  – zugegeben –  auch mitten in der Nacht aus dem Bett treiben,  obwohl ich genau weiss, dass ich dafür gerade keine Lösungen finden kann.
Immerhin  erwachsen aus diesen Fragen erst mal keine wirtschaftlichen Probleme, auch wenn sich natürlich einige Einbussen ergäben wenn ich nicht mehr arbeiten könnte. Trotzdem hätten wir unser Auskommen.
Und das ist schon mal gut zu wissen.
Alles andere wird sich finden – muss sich finden, wenn es soweit ist.

Geduld ist also gefragt, bevor neue Pläne gemacht werden können. Mehr nicht.
Abwarten und Tee trinken – und natürlich laufen, soviel ich schaffe.
Bis an die Grenze des Schmerzes und darüber hinaus.
Wieder lernen, sich nur auf den nächsten Schritt zu konzentrieren.
Auch das im wörtlichen und übertragenen Sinne.

Denn wenn ich unterwegs bin, so wie gestern beim Einkaufen, kommt unweigerlich irgendwann der Punkt, wo es erst mal nicht mehr weiter geht, eine Pause nötig ist, ein Kräfte sammeln, bevor ich weiter laufen kann. Und auch der Ärger über meine Beine, die nicht das machen wollen, was mein Kopf möchte, die mich hindern, an das Ziel zu kommen, das ich vor Augen habe.
Aber der Ärger bringt mich auch keinen Schritt weiter, das habe ich schon vor drei Jahren gelernt, als es ja genau so war.
Richtig voran ging es damals erst , als angefangen habe, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, als ich akzeptieren konnte, dass Langsamkeit mein neues Tempo ist, egal, wie schnell die Welt um mich herum sich dreht:

„Schneller laufen als meine Beine mich tragen geht halt nicht.
Punkt.“

Das hatte ich fast vergessen in den letzten Monaten, in denen ich einfach mitgelaufen bin, als das Hamsterrad sich immer schneller drehte.
Nicht dass ich denke, dass es daran nun liegt, dass jetzt dieser Rückschlag kam.
Nein, das Hamsterrad ist wohl nicht Schuld, sondern  eher ich selbst, der ich nicht rechtzeitig die Signale ernst genommen habe, die mein Körper mir gegeben hat.
Wobei ich nicht denke, dass damit zu verhindern gewesen wäre, dass  der Bypass sich zu setzt. Das wäre wohl so oder so passiert.
Nur vielleicht etwas später.
Oder es wäre eher bemerkt worden.

Aber egal.
Es ist wie es ist!

Um es mit Tolkien zu sagen:

Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach,
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Also schaunmermal, was die nächsten Tage und Wochen so bringen – angefangen mit dem CT-Termin am nächsten Mittwoch, der die vorgestrige Diagnose noch  vertiefen wird und weiter mit dem stationären Aufenthalt im Krankenhaus, der in der Woche darauf folgen wird.
Dann wird sich vielleicht zeigen, wie es weiter geht…. ein wenig…

2 Replies to “Schneller laufen”

  1. Wir sind ja geübt, uns auf immer neue Situationen einzustellen…. irgendwie kam es ja in den letzten 12 Jahren mehr als einmal anders, als wir dachten. Also wuppen wir auch diese neue Herausforderung.

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